Lexikon · Qualität & LeanKI-unterstützt
Ishikawa-Diagramm
Das Ishikawa-Diagramm ist eine Methode zur systematischen Ursachenanalyse von Problemen. Es ordnet mögliche Ursachen nach Kategorien und visualisiert sie grafisch wie eine Fischgräte.
Was bedeutet Ishikawa-Diagramm?
Das Ishikawa-Diagramm ist eine Methode zur strukturierten Analyse von Ursachen, die zu einem bestimmten Problem oder einer Wirkung führen. Der japanische Chemiker Kaoru Ishikawa entwickelte die Methode Anfang der 1960er Jahre. Wegen der grafischen Form wird sie auch Fischgräten-Diagramm genannt. Die Methode gehört zu den sieben Grundwerkzeugen der Qualität (Q7) und wird in der Produktion, im Qualitätsmanagement und in der Prozessverbesserung eingesetzt.
Das Problem oder die Wirkung steht rechts als Fischkopf. Von links führen schräge Linien (Hauptgräten) auf die Mittellinie zu. Jede Hauptgräte steht für eine Ursachenkategorie. An den Hauptgräten hängen weitere Linien mit konkreten Ursachen.
Wie funktioniert das Ishikawa-Diagramm?
Sie erstellen das Diagramm in fünf Schritten. Zuerst definieren Sie das Problem präzise und schreiben es rechts auf die Mittellinie. Dann legen Sie die Hauptkategorien fest. In der Produktion nutzen Sie häufig die 6M: Mensch, Maschine, Material, Methode, Messung, Mitwelt (Umgebung). Im Dienstleistungsbereich verwenden Sie oft die 4P (in Varianten): People, Process, Place, Policy.
Anschließend sammeln Sie im Team mögliche Ursachen, oft mit Brainstorming. Sie ordnen jede Ursache einer Kategorie zu und tragen sie als Nebengräte ein. Wenn nötig, fügen Sie Unter-Ursachen hinzu. Zum Schluss bewerten Sie die Ursachen und priorisieren die wahrscheinlichsten für weitere Analysen.
Praxisbeispiel aus der Industrie
Ein Maschinenbauer stellt fest, dass die Oberflächenrauheit bei gedrehten Wellen außerhalb der Toleranz liegt. Das Team erstellt ein Ishikawa-Diagramm mit den 6M. Unter Maschine notieren sie: Spindelspiel, Werkzeugverschleiß, Schwingungen. Unter Material: Härteunterschiede im Rohmaterial, Verunreinigungen. Unter Methode: Vorschubgeschwindigkeit zu hoch, falsche Schnitttiefe. Unter Messung: Messgerät nicht kalibriert.
Die Priorisierung zeigt: Werkzeugverschleiß und Vorschubgeschwindigkeit sind die wahrscheinlichsten Ursachen. Das Team führt daraufhin eine FMEA durch und passt die Wartungsintervalle an.
Abgrenzung
Das Ishikawa-Diagramm identifiziert mögliche Ursachen, bewertet aber nicht deren Risiko oder Auftrittswahrscheinlichkeit. Dafür nutzen Sie die FMEA. Das Pareto-Diagramm zeigt, welche Ursachen den größten Einfluss haben, setzt aber voraus, dass Sie bereits Daten gesammelt haben. Das Ishikawa-Diagramm verwenden Sie in der frühen Analysephase, oft bevor Sie Daten erheben.
Normen und Rechtsgrundlagen
Die ISO 9001:2015 fordert keine spezifische Methode zur Ursachenanalyse, nennt aber in Abschnitt 10.2 die Notwendigkeit, Ursachen von Nichtkonformitäten zu ermitteln. Das Ishikawa-Diagramm ist eine anerkannte Methode dafür. In der Automobilindustrie wird es im Rahmen von 8D-Reports (insbesondere Schritt D4: Ursachenanalyse) und Problemlösungsprozessen eingesetzt.
Verwandte Begriffe