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Industriezeitschrift

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Kanban

Kanban ist eine Methode zur Produktionssteuerung, bei der Material nur bei Bedarf nachproduziert oder nachbestellt wird. Die Steuerung erfolgt über Signalkarten, die den Materialbedarf vom Verbrauchsort zum Lieferort melden.

Was bedeutet Kanban?

Kanban ist ein Pull-System zur dezentralen Produktions- und Materialsteuerung, das in den 1950er Jahren aus dem Toyota-Produktionssystem stammt. Der Begriff kommt aus dem Japanischen und bedeutet "Signalkarte" oder "Schildchen". Das Prinzip: Material wird erst dann nachproduziert oder nachbestellt, wenn es tatsächlich verbraucht wurde. Die Steuerung erfolgt über physische Karten oder elektronische Signale, die zwischen Verbrauchsort und Lieferort zirkulieren.

Im Gegensatz zu zentralen Planungssystemen steuert sich der Materialfluss selbst. Jeder Behälter trägt eine Kanban-Karte mit Informationen zu Artikelnummer, Menge, Lieferort und Verbrauchsort. Wird Material entnommen, wandert die Karte zurück und löst die Nachproduktion aus.

Wie funktioniert Kanban?

Ein Kanban-Regelkreis besteht aus mindestens zwei Behältern pro Artikel. Behälter 1 steht am Verbrauchsort und wird geleert. Seine Karte geht zum Lieferort zurück. Behälter 2 wird währenddessen gefüllt und zum Verbrauchsort transportiert. Die Anzahl der Behälter bestimmt den Lagerbestand.

Die Kanban-Formel zur Berechnung der Behälteranzahl lautet: Anzahl Kanban = (Durchschnittlicher Verbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand) / Behältermenge. Beispiel: Ein Drehteil wird mit 200 Stück pro Tag verbraucht. Die Wiederbeschaffungszeit beträgt 2 Tage, der Sicherheitsbestand 100 Stück. Die Behältermenge ist 150 Stück. Berechnung: (200 Stück/Tag × 2 Tage + 100 Stück) / 150 Stück/Behälter = 3,3, aufgerundet 4 Behälter.

Praxisbeispiel aus der Industrie

Ein Maschinenbauer setzt Kanban für C-Teile in der Montage ein. Schrauben und Unterlegscheiben werden in Zweier-Behältern bereitgestellt. Ist ein Behälter leer, hängt der Monteur die Karte an eine Tafel. Der Lagerarbeiter füllt den Behälter nach und bringt ihn zurück. Die Durchlaufzeit sinkt, weil keine Bestellanforderungen mehr erfasst werden müssen. Der Lagerbestand kann sich deutlich reduzieren, da nur noch die tatsächlich benötigte Menge vorgehalten wird.

Abgrenzung

Kanban unterscheidet sich von Push-Systemen wie der Materialbedarfsplanung (MRP). Bei MRP steuert ein zentraler Plan die Produktion, unabhängig vom aktuellen Verbrauch. Kanban reagiert auf den tatsächlichen Bedarf. Just-in-Time (JIT) ist das übergeordnete Konzept, Kanban ein Werkzeug zur Umsetzung. E-Kanban ersetzt physische Karten durch elektronische Signale, etwa per Barcode-Scan oder RFID.

Normen und Rechtsgrundlagen

Für Kanban existieren keine verbindlichen Normen. ISO 9001:2015 fordert keine spezifische Steuerungsmethode, Kanban kann aber zur Erfüllung der Anforderungen an Produktionsplanung und -lenkung beitragen.

Verwandte Begriffe

Kanban: Definition, Berechnung & Praxisbeispiel | Industriezeitschrift