Cobot Schweißen: Einsatz, Anforderungen und Wirtschaftlichkeit
Cobot Schweißen bezeichnet das automatisierte Lichtbogenschweißen mit kollaborierenden Robotern, bei dem Mensch und Maschine ohne Schutzzaun im selben Arbeitsraum zusammenarbeiten können. MIG/MAG-Schweißen eignet sich am besten, WIG-Schweißen ist möglich. Die Systeme rechnen sich ab mittleren Losgrößen und erfordern Schulung in Roboterbedienung und Sicherheitsnormen.
KIMara SeidelKI-Redaktion
Inhalt
- Was ist Cobot-Schweißen? Definition und Abgrenzung
- Welche Schweißverfahren lassen sich mit Cobots automatisieren?
- Für welche Werkstücke und Losgrößen eignen sich Cobots?
- Technische Anforderungen und Integration
- Sicherheit und Normen beim kollaborativen Schweißen
- Wirtschaftlichkeit: Investition und Amortisation
- Hersteller und Systemanbieter im Überblick
- Praxistipps: So gelingt der Einstieg ins Cobot-Schweißen
- Fazit: Wann lohnt sich Cobot-Schweißen?
Das Wichtigste in Kürze
- Cobots schweißen ohne Schutzzaun, klassische Roboter benötigen abgetrennte Arbeitszellen
- MIG/MAG-Schweißen ist Standardverfahren, WIG erfordert höhere Bahngenauigkeit
- Werkstücke bis 5–10 kg Gesamtgewicht eignen sich, ab ca. 50 Stück rechnet sich Programmierung
- ISO/TS 15066 und ISO 10218 regeln Sicherheit, DIN EN ISO 3834 die Schweißqualität
- Amortisation bei Zweischichtbetrieb oft in 1,5 bis 3 Jahren
Was ist Cobot-Schweißen? Definition und Abgrenzung
Cobot Schweißen ist das automatisierte Lichtbogenschweißen mit kollaborierenden Robotern, bei dem Mensch und Maschine im selben Arbeitsraum zusammenarbeiten können – im Gegensatz zu klassischen Schweißrobotern ohne Schutzzaun.
Kollaborierende Roboter (Cobots) unterscheiden sich von klassischen Schweißrobotern durch ihre kraft- und leistungsbegrenzte Bauweise. Sie stoppen bei Kontakt automatisch und benötigen oft keine schweren Schutzzäune. Klassische Schweißroboter arbeiten mit höherer Geschwindigkeit und Traglast, erfordern aber abgetrennte Arbeitszellen.
Die Programmierung erfolgt bei Cobots meist per Teach-by-Touch: Sie führen den Roboterarm von Hand entlang der gewünschten Schweißnaht. Klassische Roboter erfordern dagegen Programmierkenntnisse oder Offline-Software.
Typische Einsatzszenarien für Cobot-Schweißen
Cobot-Schweißen eignet sich besonders für:
- Kleinserien und häufiger Produktwechsel: Die schnelle Umprogrammierung macht Variantenvielfalt wirtschaftlich
- Begrenzte Hallenfläche: Cobots benötigen weniger Platz als Roboterzellen mit Schutzzaun
- Fachkräftemangel: Schweißer werden von monotonen Aufgaben entlastet und überwachen den Prozess
- Einstieg in die Automatisierung: Geringere Investition als bei klassischen Robotersystemen
Kriterium | Cobot-Schweißen | Klassischer Schweißroboter |
|---|---|---|
Traglast (inkl. Brenner) | 5–10 kg | 10–100 kg |
Programmierung | Teach-by-Touch, Drag-and-Drop | Teach-Pendant, Offline-Programmierung |
Schutzzaun | Oft nicht erforderlich | Pflicht bei hoher Geschwindigkeit |
Flexibilität | Schneller Produktwechsel | Optimiert für Großserien |
Investition | Einstiegssysteme niedriger | Höhere Anfangsinvestition |
Taktzeit | Langsamer (Sicherheit) | Höhere Schweißgeschwindigkeit |
Welche Schweißverfahren lassen sich mit Cobots automatisieren?
MIG/MAG-Schweißen ist das Standardverfahren für Cobot-Schweißen, WIG-Schweißen funktioniert mit höheren Anforderungen an Bahngenauigkeit, Lichtbogenhandschweißen bleibt Nischenanwendung.
MIG/MAG-Schweißen mit Cobots
Das MIG/MAG-Schweißen (Metallschutzgasschweißen) eignet sich ideal für die Automatisierung mit Cobots. Der Prozess ist robust gegenüber kleinen Abweichungen in der Bahnführung. Die meisten Hersteller bieten zertifizierte Komplettlösungen an.
Vorteile:
- Hohe Abschmelzleistung und Schweißgeschwindigkeit
- Geringere Anforderungen an die Wiederholgenauigkeit als beim WIG-Schweißen
- Verfügbare Komplettlösungen mit Stromquelle, Brenner und Drahtvorschub
- Geeignet für Stahl, Edelstahl und Aluminium
WIG-Schweißen mit Cobots
Das WIG-Schweißen (Wolfram-Inertgasschweißen) ist mit Cobots möglich, stellt aber höhere Anforderungen. Die Lichtbogenlänge muss konstant bleiben, der Abstand zwischen Wolframelektrode und Werkstück beträgt nur wenige Millimeter.
Anforderungen:
- Wiederholgenauigkeit unter 0,1 mm erforderlich
- Präzise Bahnplanung und Prozesssteuerung notwendig
- Höhere Anforderungen an Spanntechnik und Werkstückvorbereitung
- Längere Programmierzeit als bei MIG/MAG
Einige Hersteller bieten WIG-Pakete mit Nahtverfolgung und adaptiver Prozesssteuerung an.
Grenzen der Cobot-Schweißverfahren
Lichtbogenhandschweißen (Stabschweißen) lässt sich theoretisch automatisieren, bleibt aber Nischenanwendung. Der häufige Elektrodenwechsel und die diskontinuierliche Naht machen das Verfahren für Cobots unwirtschaftlich.
Schweißverfahren | Eignung für Cobots | Vorteile | Einschränkungen |
|---|---|---|---|
MIG/MAG | Sehr gut | Robust, schnell, viele Lösungen | Spritzer, Nacharbeit |
WIG | Gut mit Einschränkungen | Hohe Nahtqualität, spritzerarm | Langsam, hohe Genauigkeit nötig |
Lichtbogenhand | Gering | Flexibel bei Baustelleneinsatz | Elektrodenwechsel, diskontinuierlich |
Laser (mit Cobot) | Sonderfall | Sehr präzise, keine Nacharbeit | Hohe Investition, Schutzklasse 4 |
Verfahrensgrenzen bei Cobots:
- Traglast begrenzt Brennergröße und Werkstückgewicht
- Reichweite meist unter 1.300 mm
- Geschwindigkeit niedriger als bei klassischen Robotern (Sicherheit)
- Komplexe 3D-Geometrien erfordern Zusatzachsen
Für welche Werkstücke und Losgrößen eignen sich Cobots?
Cobots eignen sich für Werkstücke bis etwa 5–10 kg Gesamtgewicht (inkl. Brenner), gerade bis einfach gekrümmte Nähte und Losgrößen ab etwa 50 Stück, bei denen sich die Programmierung rechnet.
Geeignete Werkstücke
Werkstückgröße und -gewicht: Die Traglast gängiger Schweißcobots liegt typischerweise bei 5–10 kg Nutzlast. Davon entfallen 2–4 kg auf Brenner, Kabel und Schlauchpaket. Für das Werkstück bleiben 3–6 kg, wenn der Cobot es bewegt. Bei Verwendung von Positionierern können auch schwerere Teile geschweißt werden.
Nahtgeometrie:
- Gerade Kehlnähte: ideal für den Einstieg
- Kreisförmige Nähte: gut geeignet mit Drehpositionierer
- Einfach gekrümmte Nähte: möglich mit Teach-by-Touch
- Komplexe 3D-Geometrien: begrenzt, oft Zusatzachsen nötig
Losgröße und Variantenvielfalt: Die Programmierung per Teach-by-Touch dauert in der Praxis je nach Nahtlänge 10–30 Minuten. Ab etwa 50 Werkstücken rechnet sich der Aufwand gegenüber Handschweißen nach Herstellerangaben. Bei häufigem Produktwechsel ist die schnelle Umprogrammierung ein Vorteil gegenüber klassischen Robotern.
Cobot-Schweißen eignet sich besonders, wenn:
- Mehrere ähnliche Varianten eines Produkts gefertigt werden
- Losgrößen zwischen 50 und 5.000 Stück liegen
- Produktwechsel mehrmals pro Woche erfolgen
- Schweißer für komplexere Aufgaben benötigt werden
Ungeeignete Anwendungen
Wo Cobots an ihre Grenzen stoßen:
- Sehr schwere Bauteile über 20 kg ohne Positionierer
- Hochgeschwindigkeitsschweißen mit Taktzeiten unter 30 Sekunden
- Komplexe 3D-Geometrien mit vielen Raumlagen
- Sehr lange Nähte über 2 Meter ohne Unterbrechung
- Großserien über 10.000 Stück (klassische Roboter wirtschaftlicher)
- Baustelleneinsatz mit wechselnden Umgebungsbedingungen
Technische Anforderungen und Integration
Ein Cobot-Schweißsystem besteht aus Roboterarm, Schweißstromquelle, Brenner mit Schlauchpaket, optional Positionierer und Absaugung – die Integration erfolgt über zertifizierte Schnittstellen wie UR+.
Systemkomponenten im Überblick
Komponente | Funktion | Typische Spezifikation |
|---|---|---|
Cobot-Arm | Bahnführung, Positionierung | Reichweite 850–1.300 mm, Traglast 5–10 kg |
Schweißstromquelle | Lichtbogenerzeugung, Prozesssteuerung | 200–400 A, MIG/MAG oder WIG |
Schweißbrenner | Drahtzuführung, Schutzgas | Luftgekühlt oder wassergekühlt, 2–4 kg |
Positionierer | Werkstückdrehung, Zusatzachse | 1- oder 2-achsig, Traglast 50–200 kg |
Schweißrauchabsaugung | Arbeitsschutz, Luftqualität | Volumenstrom 500–1.500 m³/h |
Spanntechnik | Werkstückfixierung | Individuell nach Bauteil |
Schnittstellen und Zertifizierungen: Viele Schweißstromquellen sind für Cobots zertifiziert. Das UR+ Programm von Universal Robots kennzeichnet getestete Komponenten. Lorch, Fronius und andere Hersteller bieten Komplettlösungen mit abgestimmter Hard- und Software.
Die Kommunikation erfolgt meist über digitale Schnittstellen (Profinet, EtherCAT, Modbus). Die Stromquelle übermittelt Prozessdaten an den Cobot, der die Bahngeschwindigkeit anpasst.
Programmierung und Bedienung
Teach-by-Touch: Sie führen den Roboterarm manuell entlang der Schweißnaht. Der Cobot speichert die Positionen. Anschließend passen Sie Schweißparameter (Strom, Spannung, Drahtvorschub) an. Die Methode erfordert keine Programmierkenntnisse.
Assistenzsysteme: Systeme wie Simplified Seam Tracking erkennen die Nahtlage automatisch und korrigieren Abweichungen während des Schweißens. Das reduziert Programmieraufwand und kompensiert Bauteiltoleranzen.
Offline-Programmierung: Bei komplexen Geometrien können Sie die Bahn am Computer planen und simulieren. Die Programme werden dann auf den Cobot übertragen. Diese Methode spart Stillstandzeiten.
Peripherie und Arbeitsumgebung
Arbeitsraum und Aufstellung: Cobots benötigen etwa 2–4 m² Stellfläche. Mobile Lösungen auf Fahrgestellen ermöglichen den Einsatz an verschiedenen Arbeitsplätzen. Stationäre Systeme mit Positionierer und Spanntechnik benötigen mehr Platz.
Spanntechnik: Die Werkstückfixierung ist entscheidend für die Schweißqualität. Bauteile müssen reproduzierbar positioniert werden. Einfache Spannvorrichtungen reichen oft aus, bei Variantenvielfalt sind Schnellspannsysteme sinnvoll.
Schweißrauchabsaugung: Eine Absaugung direkt am Brenner schützt Personal und Cobot. Viele Hersteller bieten integrierte Lösungen an. Die Absaugung muss die Roboterbewegung nicht behindern.
Sicherheit und Normen beim kollaborativen Schweißen
Beim kollaborativen Schweißen gelten ISO/TS 15066 für Mensch-Roboter-Kollaboration, ISO 10218 für Industrieroboter und DIN EN ISO 3834 für Schweißqualität – eine Risikobeurteilung ist Pflicht.
Relevante Normen und Vorschriften
Norm | Anwendungsbereich | Kernaussage |
|---|---|---|
ISO/TS 15066 | Kollaborierende Roboter | Definiert Kraft- und Druckgrenzwerte für sicheren Kontakt Mensch-Roboter |
ISO 10218-1/-2 | Industrieroboter, Integration | Sicherheitsanforderungen an Roboter und deren Integration in Anlagen |
DIN EN ISO 3834 | Schweißqualität | Anforderungen an Schweißbetriebe, Qualifikation, Prüfung |
EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 | CE-Kennzeichnung | Grundlegende Sicherheitsanforderungen für Maschinen (ab 2027) |
DGUV Information 209-074 | Schweißrauche | Arbeitsschutz beim Schweißen, Absaugung |
Risikobeurteilung und Schutzmaßnahmen
Kollaboration vs. Koexistenz: Kollaboration bedeutet, dass Mensch und Roboter gleichzeitig im selben Arbeitsraum tätig sind. Koexistenz bedeutet, dass beide denselben Raum nutzen, aber zeitlich getrennt arbeiten. Beim Schweißen ist echte Kollaboration selten: Der Lichtbogen und Schweißrauch gefährden den Menschen.
In der Praxis arbeiten Cobots beim Schweißen meist im Koexistenzmodus: Der Mensch spannt das Werkstück, startet den Cobot und tritt zurück. Der Roboter schweißt, dann entnimmt der Mensch das Teil.
Gefährdungen beim Cobot-Schweißen:
- Lichtbogen: UV-Strahlung, Blendung
- Schweißrauch: Gesundheitsgefährdung bei Einatmung
- Bewegung des Cobots: Quetsch- und Stoßgefahr
- Heiße Werkstücke: Verbrennungsgefahr
- Spritzer: Brand- und Verletzungsgefahr
Schutzmaßnahmen:
- Lichtschranken oder Laserscanner begrenzen den Arbeitsbereich während des Schweißens
- Geschwindigkeitsbegrenzung beim Verfahren ohne Schweißen
- Kraftbegrenzung nach ISO/TS 15066 bei möglichem Kontakt
- Schweißrauchabsaugung direkt am Brenner
- Schutzausrüstung für Personal (Schweißerschutzschild bei Beobachtung)
- NOT-AUS-Taster in Reichweite
Die Risikobeurteilung muss vor Inbetriebnahme dokumentiert werden. Sie berücksichtigt alle Gefährdungen und definiert Schutzmaßnahmen. Ein Sicherheitsbeauftragter oder externe Fachkraft sollte hinzugezogen werden.
Qualifikation des Personals
Wer braucht welche Schulung?
Schweißfachpersonal muss die Roboterbedienung erlernen: Programmierung per Teach-by-Touch, Anpassung von Schweißparametern, Fehlerdiagnose. Schulungen dauern nach Herstellerangaben meist 2–5 Tage.
Roboterbediener ohne Schweißerfahrung benötigen Schweißgrundlagen: Nahtarten, Schweißfehler, Sichtprüfung. Sie müssen Schweißergebnisse beurteilen können.
Beide Gruppen brauchen Schulung in:
- Sicherheit und Risikobeurteilung nach ISO/TS 15066
- Bedienung und Programmierung des Cobots
- Wartung und Instandhaltung
- Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 3834
Schweißfachpersonal nach DIN EN ISO 14731 (z. B. Schweißfachingenieur, Schweißtechniker) sollte die Prozesse freigeben und überwachen.
Wirtschaftlichkeit: Investition und Amortisation
Die Amortisation von Cobot-Schweißsystemen hängt von Auslastung, Lohnniveau und Nacharbeitsquote ab – bei Zweischichtbetrieb und mittlerer Auslastung rechnen sich Einstiegssysteme nach Herstellerangaben oft in 1,5 bis 3 Jahren.
Investitionskosten
Größenordnung für Einstiegssysteme: Konkrete Preisinformationen für Komplettlösungen mit Cobot, Stromquelle, Brenner und Basisspanntechnik erhalten Sie direkt bei Herstellern wie Lorch, Fronius oder Universal Robots. Die Investition hängt stark von Ausstattung, Schweißverfahren und Peripherie ab.
Die Investition umfasst:
- Cobot-Arm mit Steuerung
- Schweißstromquelle
- Brenner und Schlauchpaket
- Positionierer oder Spanntechnik
- Schweißrauchabsaugung
- Schulung und Inbetriebnahme
- Optional: Offline-Programmiersoftware, Nahtverfolgung
Betriebskosten und Einsparungen
Laufende Kosten:
- Energie: Schweißstromquelle 5–15 kW, Cobot 0,5–1 kW
- Verschleißteile: Brennerverschleißteile, Draht, Gas
- Wartung: Jährliche Inspektion, Softwareupdates
- Versicherung und Abschreibung
Einsparungen:
- Personalkosten: Ein Cobot ersetzt nicht den Schweißer, entlastet ihn aber bei monotonen Aufgaben
- Nacharbeit: Gleichbleibende Qualität kann Ausschuss je nach Anwendung deutlich reduzieren
- Durchlaufzeit: Kontinuierliches Schweißen ohne Pausen
- Materialeffizienz: Präzise Drahtdosierung spart Schweißzusatz
Modellrechnung zur Amortisation
Fiktives Rechenbeispiel für ein mittelständisches Unternehmen:
- Investition: 80.000 € (Komplettlösung mit Positionierer)
- Auslastung: 60 % in Zweischichtbetrieb (ca. 2.400 Stunden/Jahr)
- Eingesparte Schweißerzeit: 1.200 Stunden/Jahr (Schweißer übernimmt andere Aufgaben)
- Lohnkosten Schweißer: 35 €/Stunde (inkl. Nebenkosten)
- Reduzierte Nacharbeit: 5.000 €/Jahr
- Betriebskosten Cobot: 8.000 €/Jahr
Rechnung:
- Einsparung Personal: 1.200 h × 35 €/h = 42.000 €/Jahr
- Einsparung Nacharbeit: 5.000 €/Jahr
- Summe Einsparungen: 47.000 €/Jahr
- Abzüglich Betriebskosten: 47.000 € – 8.000 € = 39.000 €/Jahr
- Amortisationszeit: 80.000 € ÷ 39.000 €/Jahr ≈ 2,1 Jahre
Bei höherer Auslastung oder Dreischichtbetrieb verkürzt sich die Amortisationszeit. Bei geringer Auslastung unter 40 % verlängert sie sich deutlich. Die tatsächlichen Werte hängen von Ihren individuellen Rahmenbedingungen ab.
Fördermöglichkeiten: Förderprogramme für Digitalisierung und Automatisierung in KMU sollten vor Investition geprüft werden. Die Konditionen ändern sich regelmäßig. Eine Beratung durch Hausbank, IHK oder Wirtschaftsförderung ist empfehlenswert.
Hersteller und Systemanbieter im Überblick
Zu den Anbietern von Cobot-Schweißlösungen gehören Cobot-Hersteller wie Universal Robots und Yaskawa sowie Schweißtechnik-Spezialisten wie Lorch, Fronius und Abicor Binzel mit zertifizierten Komplettlösungen.
Cobot-Hersteller:
- Universal Robots (UR): Marktführer, UR5, UR10, UR+ Partnerprogramm
- Yaskawa: HC-Serie, integrierte Sicherheitsfunktionen
- Weitere: ABB, FANUC, KUKA (mit kollaborativen Modellen)
Schweißtechnik-Anbieter:
- Lorch: Cobot Welding World, myCobot-System, Software Cobotronic
- Fronius: Cobot Welding Pakete, TPS/i Stromquellen mit Roboterschnittstelle
- Abicor Binzel: Brenner und Schlauchpakete, ROBiPAK für UR-Cobots
Komplettlösungen vs. Einzelkomponenten: Komplettlösungen bieten aufeinander abgestimmte Hard- und Software, Schulung und Support aus einer Hand. Sie sind teurer, aber schneller einsatzbereit.
Einzelkomponenten erlauben individuelle Konfiguration und können kostengünstiger sein. Sie erfordern aber mehr Integrations-Know-how und längere Inbetriebnahmezeit.
Zertifizierungen: Das UR+ Programm kennzeichnet für Universal Robots getestete Komponenten. Andere Hersteller haben eigene Partnerprogramme. Zertifizierte Lösungen vereinfachen Integration und Gewährleistung.
Praxistipps: So gelingt der Einstieg ins Cobot-Schweißen
Starten Sie mit einem Pilotprojekt bei einfachen Anwendungen wie Heften oder geraden Kehlnähten, schulen Sie das Team frühzeitig und passen Sie Spanntechnik sowie Werkstückvorbereitung an.
Pilotprojekt und Einstieg
Mit einfacher Anwendung starten:
- Wählen Sie ein Werkstück mit gerader oder kreisförmiger Naht
- Losgröße über 100 Stück für erste Erfahrungen
- Unkritische Schweißnaht, bei der Nacharbeit möglich ist
- MIG/MAG-Schweißen als Verfahren
Vorgehen:
- Risikobeurteilung erstellen (intern oder mit externer Unterstützung)
- Schulung für 2–3 Mitarbeiter buchen
- System aufbauen und erste Nähte programmieren
- Prozessparameter optimieren (Geschwindigkeit, Pendelbreite)
- Qualität prüfen und dokumentieren
- Bei Erfolg: Weitere Werkstücke hinzufügen
Schulung und Change Management
Akzeptanz im Team schaffen: Schweißer sehen Cobots manchmal als Bedrohung. Kommunizieren Sie klar: Der Cobot entlastet bei monotonen Aufgaben, der Schweißer bleibt für komplexe Nähte und Überwachung verantwortlich.
Beziehen Sie erfahrene Schweißer früh ein. Sie kennen die Prozesse und können wertvolle Hinweise zur Programmierung geben. Lassen Sie sie den Cobot selbst programmieren.
Prozessoptimierung: Passen Sie Spanntechnik an: Werkstücke müssen reproduzierbar positioniert werden. Oft sind einfache Anschläge und Spannelemente ausreichend.
Optimieren Sie die Werkstückvorbereitung: Gratfreie Kanten und definierte Spaltmaße verbessern die Schweißqualität. Der Cobot kompensiert Toleranzen schlechter als ein erfahrener Schweißer.
Skalierung und häufige Fehler vermeiden
Vom Einzelsystem zur Mehrfachnutzung: Nach erfolgreicher Pilotierung können Sie weitere Werkstücke hinzufügen. Mobile Cobots lassen sich an verschiedenen Arbeitsplätzen einsetzen. Bei hoher Auslastung rechnet sich ein zweites System.
Häufige Fehler vermeiden:
- Unrealistische Erwartungen: Ein Cobot ersetzt keinen Schweißer vollständig, sondern entlastet ihn. Planen Sie mit 60–80 % Auslastung, nicht mit 100 %.
- Fehlende Risikobeurteilung: Die Risikobeurteilung ist Pflicht und muss vor Inbetriebnahme vorliegen. Ziehen Sie Fachleute hinzu.
- Unzureichende Schulung: Investieren Sie in mehrtägige Schulungen. Schweißer müssen Roboterbedienung lernen, Roboterbediener Schweißgrundlagen.
- Spanntechnik vernachlässigt: Schlechte Werkstückfixierung führt zu Qualitätsproblemen. Planen Sie Zeit und Budget für Spanntechnik ein.
- Zu komplexe erste Anwendung: Starten Sie einfach. Komplexe 3D-Geometrien sind für den Einstieg ungeeignet.
- Fehlende Wartung: Brennerverschleißteile und Schlauchpakete müssen regelmäßig getauscht werden. Planen Sie Wartungsintervalle ein.
Fazit: Wann lohnt sich Cobot-Schweißen?
Cobot-Schweißen eignet sich für metallverarbeitende KMU mit Losgrößen ab 50 Stück, einfachen bis mittleren Nahtgeometrien und Fachkräftemangel. Die Investition rechnet sich bei mittlerer bis hoher Auslastung nach Herstellerangaben in 1,5 bis 3 Jahren.
Voraussetzungen für den Erfolg:
- Geeignete Werkstücke (Gewicht, Geometrie, Losgröße)
- Qualifiziertes Personal (Schulung in Roboterbedienung und Sicherheit)
- Angepasste Spanntechnik und Prozessvorbereitung
- Dokumentierte Risikobeurteilung nach ISO/TS 15066
- Realistische Erwartungen an Auslastung und Amortisation
Starten Sie mit einem Pilotprojekt, sammeln Sie Erfahrungen und skalieren Sie schrittweise. Holen Sie sich Unterstützung von Herstellern, Systemintegratoren oder Beratern.
Häufige Fragen
Was kostet ein Cobot-Schweißsystem?
Konkrete Preisinformationen für Komplettlösungen mit Cobot, Stromquelle, Brenner und Basisspanntechnik erhalten Sie direkt bei Herstellern wie Lorch, Fronius oder Universal Robots. Die Investition hängt stark von Ausstattung, Schweißverfahren und Peripherie ab. WIG-Systeme mit Nahtverfolgung liegen über MIG/MAG-Einstiegslösungen.
Braucht man für Cobot-Schweißen einen Schutzzaun?
Nicht immer. Cobots sind kraft- und leistungsbegrenzt und können ohne Schutzzaun arbeiten. Beim Schweißen ist aber Vorsicht geboten: Lichtbogen und Schweißrauch gefährden den Menschen. In der Praxis arbeiten Cobots meist im Koexistenzmodus mit Lichtschranken oder Laserscannern, die den Arbeitsbereich während des Schweißens absichern.
Welche Qualifikation braucht man für Cobot-Schweißen?
Schweißfachpersonal muss die Roboterbedienung erlernen, Roboterbediener benötigen Schweißgrundlagen. Beide Gruppen brauchen Schulung in Sicherheit nach ISO/TS 15066, Programmierung und Qualitätssicherung. Schulungen dauern nach Herstellerangaben meist 2–5 Tage. Schweißfachpersonal nach DIN EN ISO 14731 sollte Prozesse freigeben.
Kann ein Cobot auch WIG schweißen?
Ja, WIG-Schweißen ist mit Cobots möglich, stellt aber höhere Anforderungen. Die Wiederholgenauigkeit muss unter 0,1 mm liegen, die Bahnplanung präzise sein. Einige Hersteller bieten WIG-Pakete mit Nahtverfolgung an. MIG/MAG-Schweißen ist aber das Standardverfahren für Cobots.
Ab welcher Losgröße rechnet sich ein Cobot zum Schweißen?
Die Programmierung per Teach-by-Touch dauert in der Praxis je nach Nahtlänge 10–30 Minuten. Ab etwa 50 Werkstücken rechnet sich der Aufwand gegenüber Handschweißen nach Herstellerangaben. Bei häufigem Produktwechsel und Variantenvielfalt ist die schnelle Umprogrammierung ein Vorteil. Losgrößen zwischen 50 und 5.000 Stück sind ideal.
Welche Normen gelten für Cobot-Schweißen?
ISO/TS 15066 regelt die Mensch-Roboter-Kollaboration, ISO 10218 die Sicherheit von Industrierobotern und DIN EN ISO 3834 die Schweißqualität. Eine dokumentierte Risikobeurteilung ist vor Inbetriebnahme Pflicht. Zusätzlich gilt ab 2027 die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 für die CE-Kennzeichnung.
Quellen
- [1]So schweißen Sie mit Cobots (eBook) · Chromos · abgerufen 29. Oktober 2026
- [2]Cobot Welding · Fronius · abgerufen 29. Oktober 2026
- [3]5 Gründe für das Schweißen mit einem Cobot · ABICOR BINZEL Blog · abgerufen 29. Oktober 2026
- [4]Lichtbogenschweißen · Universal Robots · abgerufen 29. Oktober 2026
Begriffe im Lexikon
KIKI-Redakteurin für Digitalisierung und Automatisierung. Prüft Technologieversprechen auf Nutzen, Aufwand und Voraussetzungen im Mittelstand.
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Industrieroboter: Bauarten, Einsatz und Wirtschaftlichkeit
Industrieroboter sind programmierbare Bewegungsautomaten mit mehreren Achsen, die autonom Werkstücke handhaben, montieren oder bearbeiten. Die wichtigsten Bauarten sind Knickarmroboter, SCARA-Roboter, Deltaroboter und Palettierer – jede mit spezifischen Stärken für unterschiedliche Fertigungsaufgaben. Die Wirtschaftlichkeit hängt von Anschaffungskosten, Inbetriebnahmezeit und Einsatzszenario ab.
Industrieroboter-Arten: Knickarm, SCARA, Delta & Portal im Vergleich
Industrieroboter-Arten unterscheiden sich nach ihrer kinematischen Bauform: Knickarmroboter mit 6 rotatorischen Achsen für Schweißen und Lackieren, SCARA-Roboter mit 4 Achsen für schnelle Montage, Delta-Roboter mit Parallelkinematik für Sortieren und Verpacken sowie Portalroboter mit linearen Achsen für große Arbeitsräume und hohe Traglasten. Die Wahl hängt von Traglast, Reichweite, Taktzeit und Platzbedarf ab.
Schweißverfahren: Verfahrensnummern, Einsatzgebiete & Auswahl
Schweißverfahren verbinden Werkstücke stoffschlüssig durch Wärme und/oder Druck. Die Auswahl richtet sich nach Werkstoff, Materialdicke, Qualitätsanforderungen und Automatisierungsgrad. Verfahrensnummern nach DIN EN ISO 4063 ermöglichen eine eindeutige Zuordnung für Beschaffung, Qualifikation und Dokumentation.


