Zum Inhalt springen
Industriezeitschrift

Fachwissen für Produktion, Technik und Compliance

Lexikon · Fertigung & VerfahrenKI-unterstützt

Erstmusterprüfbericht

EMPB

Erstmusterprüfbericht ist ein Dokument, das die Erfüllung aller Spezifikationen und Anforderungen an einem ersten Serienbauteil nachweist. Er dient als Freigabe für die Serienproduktion.

Was bedeutet Erstmusterprüfbericht?

Der Erstmusterprüfbericht dokumentiert die vollständige Prüfung des ersten Bauteils aus einer neuen oder geänderten Fertigung. Er belegt, dass alle Maße, Materialeigenschaften und Funktionen den vereinbarten Spezifikationen entsprechen. Die Abkürzung EMPB wird im deutschsprachigen Raum verwendet, international ist die Bezeichnung PPAP (Production Part Approval Process) nach AIAG verbreitet.

Der Bericht enthält Messprotokolle, Werkstoffzeugnisse, Prozessparameter und Prüfergebnisse. Er wird vom Lieferanten erstellt und vom Kunden geprüft. Erst nach Freigabe darf die Serienproduktion beginnen.

Wie wird ein Erstmusterprüfbericht erstellt?

Die Erstellung erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst fertigt der Lieferant Muster unter Serienbedingungen. Alle relevanten Merkmale werden nach Prüfplan gemessen und dokumentiert. Die Messergebnisse werden mit den Toleranzen aus der Zeichnung verglichen.

Zum Bericht gehören: Bemusterungsantrag, technische Zeichnungen, Messprotokolle aller Prüfmerkmale, Werkstoffzeugnisse, Prozess-FMEA, Prüfmittelübersicht und Prozessablaufplan. Bei Abweichungen muss der Lieferant Korrekturmaßnahmen dokumentieren und neue Muster vorlegen.

Praxisbeispiel aus der Industrie

Ein Automobilzulieferer entwickelt ein neues Kunststoffgehäuse im Spritzgießverfahren. Nach der Werkzeugabmusterung wird eine definierte Stückzahl unter Serienbedingungen gefertigt. Aus dieser Charge werden Muster entnommen und vollständig vermessen.

Alle Prüfmerkmale liegen innerhalb der Toleranzen. Die Prozessfähigkeit wird berechnet und erreicht die geforderten Werte. Der Lieferant erstellt den EMPB mit allen Nachweisen. Der Kunde prüft die Unterlagen, führt eine Stichprobenmessung durch und erteilt die Freigabe für die Serie.

Abgrenzung

Der Erstmusterprüfbericht unterscheidet sich vom laufenden Wareneingang. Er ist eine einmalige Freigabe vor Serienstart, während die Wareneingangsprüfung jede Lieferung stichprobenartig kontrolliert.

PPAP ist das amerikanische Pendant zum EMPB und folgt als AIAG-Standard einem standardisierten Ablauf mit definierten Submission Levels (Level 0 bis 4). Der EMPB orientiert sich oft an PPAP, ist aber nicht zwingend identisch strukturiert.

Normen und Rechtsgrundlagen

Der VDA Band 2 "Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF)" beschreibt Anforderungen an die Erstbemusterung in der Automobilindustrie. Er definiert Umfang und Inhalt der Dokumentation.

In anderen Branchen gelten vergleichbare Anforderungen aus ISO 9001, die Lenkung von Änderungen und Freigabeprozesse fordert. Die konkrete Ausgestaltung vereinbaren Kunde und Lieferant vertraglich.

Erstmusterprüfbericht (EMPB): Definition & Praxisbeispiel | Industriezeitschrift