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Industriezeitschrift

Fachwissen für Produktion, Technik und Compliance

Lexikon · Qualität & LeanKI-unterstützt

PPAP

Production Part Approval Process

PPAP ist ein standardisiertes Verfahren zur Freigabe von Serienteilen in der Automobilindustrie. Es dokumentiert, dass ein Lieferant alle Kundenanforderungen erfüllt und die Serienproduktion beherrscht.

Was bedeutet PPAP?

PPAP steht für Production Part Approval Process und bezeichnet ein Freigabeverfahren für Serienteile in der Automobilindustrie. Der Lieferant weist damit nach, dass er die Konstruktionsvorgaben und Spezifikationen des Kunden verstanden hat und die Teile in der geforderten Qualität reproduzierbar herstellen kann. Das Verfahren wurde von der Automotive Industry Action Group (AIAG) entwickelt und ist heute weltweit verbreitet.

Der PPAP umfasst 19 definierte Elemente, darunter Konstruktionsunterlagen, Prozess-FMEA, Prüfpläne, Messsystemanalysen, Bemusterungsberichte und Erstmusterprüfberichte. Der Lieferant reicht diese Dokumente beim Kunden ein, der sie prüft und die Freigabe erteilt oder ablehnt.

Wie funktioniert der PPAP-Prozess?

Der Prozess gliedert sich in fünf Stufen, die der Kunde je nach Risiko und Bauteilbedeutung festlegt. Stufe 1 erfordert nur eine Freigabebescheinigung und Muster beim Lieferanten. Stufe 2 verlangt zusätzlich Muster und begrenzte Begleitdokumente. Stufe 3 ist die Standardstufe mit Muster und vollständiger Dokumentation. Stufe 4 fordert dieselben Unterlagen wie Stufe 3 plus eine Prüfung beim Lieferanten vor Ort. Stufe 5 verlangt alle Dokumente zur Prüfung beim Kunden.

Der Lieferant muss einen PPAP einreichen bei Neuteilen, Änderungen an Konstruktion oder Prozess, Lieferantenwechsel, Produktionsverlagerungen oder nach Produktionsunterbrechungen (je nach Kundenspezifikation).

Praxisbeispiel aus der Industrie

Ein Zulieferer produziert Kunststoffgehäuse für Steuergeräte. Nach einer Werkzeugänderung fordert der Automobilhersteller einen PPAP der Stufe 3. Der Lieferant erstellt die Prozess-FMEA, führt Messsystemanalysen durch und fertigt eine definierte Anzahl von Teilen aus der Serienproduktion. Er misst die kritischen Maße, erstellt einen Erstmusterprüfbericht und dokumentiert die Prozessfähigkeit. Nach Prüfung der Unterlagen erteilt der Kunde die Freigabe. Die Serienbelieferung kann beginnen.

Abgrenzung

PPAP unterscheidet sich von der reinen Erstbemusterung. Während eine Bemusterung nur die Teilequalität nachweist, dokumentiert PPAP zusätzlich die Prozessstabilität und -fähigkeit. PPAP ist spezifisch für die Automobilindustrie. In anderen Branchen existieren vergleichbare Verfahren unter anderen Bezeichnungen.

Normen und Rechtsgrundlagen

Das Verfahren ist in der AIAG-Publikation "Production Part Approval Process" beschrieben. Deutsche Automobilhersteller nutzen parallel den VDA Band 2 "Sicherung der Qualität von Lieferungen - Produktionsprozess- und Produktfreigabe PPF", der ähnliche Anforderungen definiert. Beide Standards ergänzen sich und werden häufig gemeinsam angewendet.