Zum Inhalt springen
Industriezeitschrift

Fachwissen für Produktion, Technik und Compliance

Lexikon · Qualität & LeanKI-unterstützt

SPC

Statistical Process Control, Statistische Prozessregelung, Statistische Prozesskontrolle

SPC ist eine Methode zur Überwachung und Steuerung von Prozessen mit statistischen Mitteln. Sie erkennt Abweichungen frühzeitig und verhindert Ausschuss durch regelbasierte Eingriffe in den Prozess.

Was bedeutet SPC?

SPC steht für Statistical Process Control, im Deutschen Statistische Prozessregelung oder Statistische Prozesskontrolle. Die Methode nutzt Regelkarten (Control Charts), um Prozesse kontinuierlich zu überwachen. Sie unterscheidet zwischen zufälligen Schwankungen und systematischen Abweichungen. Ziel ist es, Fehler zu vermeiden, bevor Ausschuss entsteht.

SPC wurde in den 1920er Jahren von Walter A. Shewhart bei Bell Laboratories entwickelt. In der Serienproduktion ist die Methode heute Standard, besonders in der Automobilindustrie und bei Zulieferern.

Wie funktioniert SPC?

SPC arbeitet mit Stichproben aus dem laufenden Prozess. Die Messwerte werden in Regelkarten eingetragen. Die Karte zeigt den Mittelwert, eine obere Eingriffgrenze (OEG) und eine untere Eingriffgrenze (UEG). Diese Grenzen liegen üblicherweise bei ±3 Sigma vom Mittelwert.

Die Berechnung der Eingriffsgrenzen erfolgt über die Standardabweichung Sigma. Formel für die obere Eingriffgrenze: OEG = Mittelwert + 3 × Sigma. Für die untere Eingriffgrenze: UEG = Mittelwert - 3 × Sigma.

Ein Rechenbeispiel: Ein Drehteil hat einen Solldurchmesser von 50,0 mm. Die Standardabweichung beträgt 0,1 mm. OEG = 50,0 mm + 3 × 0,1 mm = 50,3 mm. UEG = 50,0 mm - 3 × 0,1 mm = 49,7 mm. Liegt ein Messwert außerhalb dieser Grenzen, muss der Prozess angepasst werden.

Praxisbeispiel aus der Industrie

Ein Spritzgussbetrieb fertigt Kunststoffgehäuse. Alle 30 Minuten entnimmt ein Mitarbeiter fünf Teile und misst die Wandstärke. Die Werte trägt er in eine x̄-R-Karte ein (Mittelwert und Spannweite). Nach vier Stunden zeigt die Karte einen Trend: Die Mittelwerte nähern sich der oberen Eingriffgrenze. Der Einrichter erhöht den Werkzeugdruck, bevor Ausschuss entsteht. So verhindert SPC Kosten und Nacharbeit.

Abgrenzung

SPC ist eine Methode der laufenden Prozessüberwachung. Sie unterscheidet sich von der Endkontrolle, die nur fertige Teile prüft. SPC greift früher ein und verhindert Fehler, statt sie zu sortieren.

SPC ist kein Ersatz für Prozessfähigkeitsuntersuchungen (Cp, Cpk). Diese bewerten die grundsätzliche Eignung eines Prozesses. SPC überwacht die Stabilität im Serienbetrieb.

Normen und Rechtsgrundlagen

SPC ist in der ISO 9001 nicht explizit gefordert, aber als Werkzeug zur Prozesslenkung anerkannt. In der Automobilindustrie verlangen Normen wie IATF 16949 den Einsatz statistischer Methoden. Regelkarten und deren Anwendung beschreibt die ISO 7870 (Regelkarten für die statistische Prozesslenkung).