Kanban-System in der Produktion: Aufbau, Varianten, Einführung
Ein Kanban-System steuert Material- und Informationsflüsse in der Produktion nach dem Pull-Prinzip: Nachschub wird erst ausgelöst, wenn Material verbraucht wurde. Die Methode reduziert Bestände, erhöht die Transparenz und ermöglicht eine selbststeuernde Fertigung. Kanban eignet sich besonders für Teile mit regelmäßigem Verbrauch und geringer Variantenvielfalt.
KILena HartmannKI-Redaktion
Inhalt
- Was ist ein Kanban-System? Definition und Grundprinzip
- Aufbau und Bestandteile eines Kanban-Systems
- Kanban-Varianten in der Produktion
- Berechnung: Wie viele Kanbans brauchen Sie?
- Kanban-System einführen: Schritt für Schritt
- Vorteile und Grenzen von Kanban in der Produktion
- Kanban in der Logistik: Anwendung entlang der Supply Chain
- Häufige Fragen zu Kanban-Systemen
Das Wichtigste in Kürze
- Kanban steuert Materialflüsse bedarfsgesteuert nach dem Pull-Prinzip statt zentraler Planung
- Wichtigste Varianten: Behälter-Kanban, Ein-/Zwei-Karten-Kanban und elektronisches eKanban
- Die Kanban-Anzahl berechnet sich aus Verbrauch, Wiederbeschaffungszeit und Sicherheitsbestand
- Einführung startet mit Pilotbereich, Ist-Analyse, Dimensionierung und Mitarbeiterschulung
- Kanban eignet sich für Teile mit stabilem Bedarf, nicht für Einzelfertigung oder hohe Variantenvielfalt
Was ist ein Kanban-System? Definition und Grundprinzip
Ein Kanban-System ist eine visuelle Methode zur bedarfsgesteuerten Steuerung von Material- und Informationsflüssen in Produktion und Logistik nach dem Pull-Prinzip. Der Begriff „Kanban" stammt aus dem Japanischen und bedeutet „Karte" oder „Signalkarte". Kanban wurde als Teil des Toyota Production Systems entwickelt und ist heute ein zentrales Element im Lean Management zur Unterstützung der Just-in-Time-Produktion.
Das Grundprinzip: Ein verbrauchender Prozess fordert Material vom vorgelagerten Prozess an – und zwar erst dann, wenn tatsächlich Bedarf besteht. Diese Steuerung erfolgt über physische Karten, Behälter oder elektronische Signale.
Pull-Prinzip: Wie funktioniert die bedarfsgesteuerte Steuerung?
Das Pull-Prinzip (Hol-Prinzip) bedeutet, dass Material vom Verbraucher „gezogen" wird, nicht vom Lieferanten „geschoben". Im Gegensatz zum Push-Prinzip, bei dem eine zentrale Planung (z. B. MRP im ERP-System) Fertigungsaufträge und Bestellungen auslöst, reagiert Kanban direkt auf den tatsächlichen Verbrauch.
Ein Beispiel: Eine Montagelinie entnimmt Schrauben aus einem Behälter. Sobald der Behälter leer ist, wird die Kanban-Karte an die Bereitstellung zurückgegeben. Diese löst die Nachlieferung aus. Die Montagelinie „zieht" also Material, ohne dass ein Planer eingreifen muss.
Die Rolle von Kanban im Lean Management
Kanban ist ein Werkzeug zur Verschwendungsreduzierung. Es vermeidet Überproduktion, reduziert Bestände und macht Engpässe sichtbar. In Kombination mit anderen Lean-Methoden wie FIFO (First In First Out) oder Milkrun entsteht ein durchgängiger, getakteter Materialfluss. Kanban schafft Transparenz: Jeder Mitarbeiter sieht auf einen Blick, welche Teile verfügbar sind und wann Nachschub kommt.
Aufbau und Bestandteile eines Kanban-Systems
Ein funktionierendes Kanban-System besteht aus drei Elementen: Kanban-Karten, Bereitstellflächen (Supermärkte) und einem definierten Regelkreis. Die Kanban-Karte ist das zentrale Steuerungselement und enthält alle Informationen, die für die Nachlieferung nötig sind.
Welche Informationen gehören auf eine Kanban-Karte?
Eine Kanban-Karte trägt folgende Angaben:
- Teilenummer und Bezeichnung: Eindeutige Identifikation des Materials
- Verbrauchsort: Wo wird das Teil benötigt? (z. B. Montagestation 3)
- Lieferort: Wo wird das Teil bereitgestellt? (z. B. Lager, Supermarkt, Lieferant)
- Behältermenge: Wie viele Teile enthält ein Behälter?
- Anzahl Kanbans: Wie viele Behälter sind im Umlauf?
- Barcode oder RFID-Tag: Für elektronische Erfassung (bei eKanban)
Die Karte wird am Behälter befestigt. Bei Entnahme des letzten Teils oder bei Leerung des Behälters wird die Karte zurückgegeben und löst die Nachproduktion oder Nachlieferung aus.
Kanban-Regelkreis: Von der Entnahme bis zur Nachproduktion
Der Kanban-Regelkreis beschreibt den Weg der Karte und des Materials:
- Entnahme: Der Verbraucher (z. B. Montage) entnimmt Material aus dem Bereitstellbereich.
- Signal: Die Kanban-Karte wird abgenommen und an die Bereitstellung oder Produktion zurückgegeben.
- Auslösung: Die Karte löst die Nachlieferung oder Nachproduktion aus.
- Transport: Das Material wird produziert oder aus dem Lager geholt und zum Verbrauchsort gebracht.
- Bereitstellung: Der volle Behälter mit Kanban-Karte steht wieder am Verbrauchsort bereit.
Dieser Kreislauf wiederholt sich kontinuierlich. Der Supermarkt ist dabei eine definierte Bereitstellfläche, an der Material nach dem FIFO-Prinzip gelagert wird.
Kanban-Varianten in der Produktion
In der Praxis haben sich verschiedene Kanban-Varianten etabliert. Die Wahl hängt von der Komplexität des Materialflusses, der Entfernung zwischen Verbraucher und Lieferant und dem Digitalisierungsgrad ab.
Zwei-Behälter-System: Einfachste Form der Kanban-Steuerung
Das Zwei-Behälter-System ist die einfachste Kanban-Variante. Für jedes Teil stehen zwei Behälter bereit. Während der erste Behälter verbraucht wird, steht der zweite als Reserve bereit. Sobald der erste Behälter leer ist, wird er zur Nachfüllung gegeben und der zweite Behälter wird verwendet.
Vorteile: Kein Kartensystem nötig, sehr einfach zu handhaben, geringe Einführungskosten. Nachteile: Nur für kurze Wiederbeschaffungszeiten geeignet, höherer Bestand als bei anderen Varianten.
Ein-Karten-Kanban nutzt eine Produktionskarte, die zwischen Verbraucher und Lieferant zirkuliert. Zwei-Karten-Kanban arbeitet mit zwei Kartentypen: Eine Transportkarte steuert den Transport vom Lager zum Verbraucher, eine Produktionskarte steuert die Nachproduktion. Diese Variante eignet sich für räumlich getrennte Prozesse.
Behälter-Kanban nutzt den Behälter selbst als Signal: Ein leerer Behälter am definierten Ort löst die Nachlieferung aus. Diese Variante kommt ohne Karten aus und eignet sich für einfache, stabile Prozesse.
eKanban: Digitale Steuerung mit Barcode und RFID
eKanban ersetzt physische Karten durch elektronische Signale. Bei Entnahme wird ein Barcode gescannt, ein RFID-Tag ausgelesen oder ein Sensor ausgelöst. Das Signal wird an das ERP-System oder eine Kanban-Software übermittelt, die automatisch eine Bestellung oder einen Fertigungsauftrag auslöst.
Vorteile: Echtzeit-Transparenz, automatische Bestellauslösung, Vermeidung von Kartenverlust, bessere Auswertbarkeit (Verbrauchsstatistiken, Durchlaufzeiten). Nachteile: Höhere Investitionskosten, Abhängigkeit von IT-Systemen, Schulungsaufwand.
Wann eignet sich welche Kanban-Variante?
Variante | Merkmale | Vorteile | Einsatzgebiete |
|---|---|---|---|
Zwei-Behälter-System | Zwei Behälter pro Teil, kein Kartensystem | Sehr einfach, geringe Kosten | Kurze Wiederbeschaffungszeit, C-Teile, Kleinteile |
Ein-Karten-Kanban | Eine Produktionskarte je Behälter | Einfache Steuerung, übersichtlich | Produktion und Verbrauch nah beieinander |
Zwei-Karten-Kanban | Transport- und Produktionskarte | Trennung von Transport und Produktion | Räumlich getrennte Prozesse, externe Lieferanten |
Behälter-Kanban | Behälter selbst ist Signal | Kein Kartenverlust möglich | Stabile Prozesse, geringe Variantenvielfalt |
eKanban | Elektronische Signale (Barcode, RFID) | Echtzeit-Transparenz, Automatisierung | Hohe Teilevielfalt, Integration in ERP, Lieferanten-Kanban |
Berechnung: Wie viele Kanbans brauchen Sie?
Die Anzahl der Kanbans bestimmt den Bestand im System. Zu wenige Kanbans führen zu Materialengpässen, zu viele zu unnötig hohen Beständen. In der Praxis wird die Berechnung häufig nach folgender Formel durchgeführt, die jedoch unternehmensspezifisch angepasst werden sollte:
Anzahl Kanbans = (Verbrauch pro Zeiteinheit × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand) / Behältermenge
Einflussfaktoren:
- Verbrauch pro Zeiteinheit: Wie viele Teile werden pro Stunde, Schicht oder Tag verbraucht?
- Wiederbeschaffungszeit: Wie lange dauert es von der Entnahme bis zur Bereitstellung eines neuen Behälters? (inkl. Rüstzeit, Produktionszeit, Transportzeit)
- Sicherheitsbestand: Puffer für Schwankungen im Verbrauch oder in der Lieferzeit
- Behältermenge: Wie viele Teile passen in einen Behälter?
Beispielrechnung für ein Produktionsteil:
Ein Montageprozess verbraucht 50 Schrauben pro Stunde. Die Wiederbeschaffungszeit (Transport vom Lager zur Montage) beträgt 2 Stunden. Als Sicherheitsbestand werden in diesem Beispiel 20 Stück angesetzt (situationsabhängig anzupassen). Ein Behälter fasst 100 Schrauben.
Anzahl Kanbans = (50 × 2 + 20) / 100 = 120 / 100 = 1,2 → 2 Kanbans (aufgerundet)
Im System sind also zwei Behälter mit je 100 Schrauben im Umlauf. Der Gesamtbestand beträgt 200 Stück.
Anpassung bei schwankendem Bedarf: Bei saisonalen Schwankungen oder Produktwechseln müssen die Kanban-Mengen regelmäßig überprüft und angepasst werden. Eine Neuberechnung empfiehlt sich bei Änderungen von Verbrauch, Taktzeit oder Lieferzeit.
Kanban-System einführen: Schritt für Schritt
Die Einführung eines Kanban-Systems erfordert eine strukturierte Vorgehensweise. Ein Pilotprojekt reduziert das Risiko und ermöglicht Lernen vor dem Rollout.
Schritt 1: Voraussetzungen prüfen
Nicht jeder Prozess eignet sich für Kanban. Prüfen Sie:
- Ist der Verbrauch regelmäßig und vorhersehbar?
- Ist die Variantenvielfalt überschaubar?
- Sind Wiederbeschaffungszeiten stabil?
- Gibt es definierte Bereitstellflächen?
Schritt 2: Pilotbereich auswählen
Wählen Sie einen überschaubaren Bereich mit hohem Verbrauch und geringer Komplexität. Typische Pilotbereiche: C-Teile in der Montage, Normteile, Verbrauchsmaterial.
Schritt 3: Ist-Zustand analysieren
Erfassen Sie:
- Aktuellen Verbrauch pro Zeiteinheit
- Wiederbeschaffungszeiten (Rüsten, Produzieren, Transportieren)
- Bestände und Lagerorte
- Materialfluss und Schnittstellen
Schritt 4: Kanban-Regelkreis definieren und dimensionieren
Legen Sie fest:
- Verbrauchsort und Lieferort
- Behälterart und -größe
- Anzahl Kanbans (siehe Berechnung oben)
- Kanban-Variante (Karte, Behälter, eKanban)
- Verantwortlichkeiten (Wer löst Nachschub aus? Wer liefert?)
Schritt 5: Mitarbeiter schulen und Regeln festlegen
Alle Beteiligten müssen das Prinzip verstehen. Schulen Sie:
- Funktionsweise des Kanban-Kreislaufs
- Umgang mit Kanban-Karten oder -Behältern
- Verhalten bei Störungen (z. B. fehlende Karten, Materialengpass)
Legen Sie klare Regeln fest: Wann wird eine Karte ausgelöst? Wo wird sie abgelegt? Wie wird priorisiert?
Schritt 6: Testphase, Anpassung und Rollout
Starten Sie mit einem Testlauf über mehrere Wochen. Beobachten Sie:
- Treten Materialengpässe auf?
- Sind die Bestände zu hoch?
- Funktioniert der Regelkreis reibungslos?
Passen Sie Kanban-Mengen und Prozesse an. Nach erfolgreicher Testphase rollen Sie das System auf weitere Bereiche aus.
Integration in ERP-System und Schnittstellen: Bei eKanban werden Kanban-Signale automatisch an das ERP-System übermittelt. Definieren Sie Schnittstellen, Berechtigungen und Eskalationsprozesse. Klären Sie, ob Kanban parallel zu MRP läuft oder MRP für Kanban-Teile deaktiviert wird.
Welche Teile eignen sich für Kanban?
Kanban eignet sich besonders für:
- Regelmäßiger Verbrauch: Teile, die kontinuierlich oder in stabilen Intervallen benötigt werden
- Geringe Variantenvielfalt: Wenige Varianten erleichtern die Steuerung
- Mittlerer bis niedriger Wert: A-Teile erfordern oft präzisere Planung
- Kurze bis mittlere Wiederbeschaffungszeit: Lange Lieferzeiten erhöhen den Bestand
- Standardisierte Behälter: Einheitliche Gebinde vereinfachen Handling und Berechnung
Teilemerkmal | Hohe Eignung | Geringe Eignung |
|---|---|---|
Verbrauch | Regelmäßig, stabil | Sporadisch, projektbezogen |
Wert | C-Teile, B-Teile | A-Teile (hoher Kapitalbindung) |
Varianten | Wenige Varianten | Viele Varianten |
Wiederbeschaffungszeit | Kurz bis mittel | Lang |
Bedarfsschwankung | Gering | Hoch |
Typische Stolpersteine bei der Einführung
- Fehlende Disziplin: Karten werden nicht zurückgegeben oder gehen verloren
- Unklare Verantwortlichkeiten: Niemand fühlt sich für Nachschub zuständig
- Falsche Dimensionierung: Zu wenige Kanbans führen zu Engpässen, zu viele zu Überbeständen
- Keine Anpassung: Kanban-Mengen werden nicht an veränderten Bedarf angepasst
- Parallele Systeme: Kanban und MRP konkurrieren, statt sich zu ergänzen
Vorteile und Grenzen von Kanban in der Produktion
Kanban reduziert Bestände, verkürzt Durchlaufzeiten und erhöht die Transparenz. Die Methode ermöglicht Selbststeuerung und entlastet die zentrale Planung. Mitarbeiter sehen direkt, welche Teile fehlen, und können eigenständig reagieren.
Vorteile:
- Reduzierung von Beständen: Nur das wird produziert, was verbraucht wird
- Kürzere Durchlaufzeiten: Material fließt ohne Wartezeiten
- Transparenz: Jeder sieht den aktuellen Materialstatus
- Selbststeuerung: Weniger Planungsaufwand, mehr Eigenverantwortung
- Schnelle Reaktion: Engpässe werden sofort sichtbar
Grenzen:
- Variantenvielfalt: Bei vielen Varianten wird das System unübersichtlich
- Schwankender Bedarf: Starke Bedarfsschwankungen erfordern hohe Sicherheitsbestände
- Einzelfertigung: Kanban eignet sich nicht für Einzel- oder Projektfertigung
- Lange Wiederbeschaffungszeiten: Hohe Bestände bei langen Lieferzeiten
- Disziplin erforderlich: System funktioniert nur bei konsequenter Einhaltung der Regeln
Kombination mit anderen Lean-Methoden: Kanban entfaltet seine Wirkung in Kombination mit FIFO, Milkrun (getaktete Materialversorgung), 5S (Ordnung und Sauberkeit) und kontinuierlicher Verbesserung (Kaizen). Ein stabiler Prozess ist Voraussetzung für ein funktionierendes Kanban-System.
Kanban in der Logistik: Anwendung entlang der Supply Chain
Kanban steuert nicht nur interne Materialflüsse, sondern auch die Versorgung durch externe Lieferanten. Lieferanten-Kanban (auch Supplier-Kanban) überträgt das Pull-Prinzip auf die Beschaffung.
Kanban zwischen Produktion und Lager: Ein internes Kanban-System verbindet Lager und Produktion. Das Lager liefert nur, wenn die Produktion Material entnimmt. Das reduziert Bestände am Produktionsort und ermöglicht zentrale Lagerhaltung.
Lieferanten-Kanban und VMI: Beim Lieferanten-Kanban erhält der Lieferant Zugriff auf Verbrauchsdaten oder Kanban-Signale und liefert eigenständig nach. Bei VMI (Vendor Managed Inventory) übernimmt der Lieferant die Bestandsverantwortung und füllt Bestände beim Kunden auf. Voraussetzung: Vertrauen, stabile Lieferbeziehung, elektronischer Datenaustausch (EDI oder eKanban).
Kanban in der Ersatzteillogistik und Instandhaltung: Auch in der Instandhaltung eignet sich Kanban für Verschleißteile, Verbrauchsmaterial und Normteile. Ein Zwei-Behälter-System am Lagerort stellt sicher, dass kritische Teile immer verfügbar sind.
Häufige Fragen zu Kanban-Systemen
Was ist der Unterschied zwischen Kanban und Scrum?
Kanban und Scrum sind beides agile Methoden, unterscheiden sich aber grundlegend. Kanban arbeitet mit kontinuierlichem Fluss ohne feste Iterationen, Scrum arbeitet in festen Sprints. Kanban kennt keine vorgeschriebenen Rollen, Scrum definiert Scrum Master, Product Owner und Entwicklungsteam. In Kanban können Aufgaben jederzeit hinzugefügt werden, in Scrum erst im nächsten Sprint.
Merkmal | Kanban | Scrum |
|---|---|---|
Arbeitsrhythmus | Kontinuierlicher Fluss | Feste Sprints |
Rollen | Keine festen Rollen | Scrum Master, Product Owner, Team |
Änderbarkeit | Jederzeit | Erst im nächsten Sprint |
Typische Anwendung | Produktion, Logistik, Support | Softwareentwicklung, Produktentwicklung |
Kann Kanban mit MRP kombiniert werden?
Ja, Kanban und MRP (Material Requirements Planning) können parallel laufen. Typisches Vorgehen: A-Teile und Teile mit schwankendem Bedarf werden per MRP geplant, C-Teile und Teile mit stabilem Verbrauch per Kanban gesteuert. Im ERP-System wird für Kanban-Teile die Dispositionsart auf „Kanban" gesetzt, sodass keine automatischen Bestellvorschläge generiert werden.
Wie oft müssen Kanban-Mengen angepasst werden?
Kanban-Mengen sollten bei jeder wesentlichen Änderung überprüft werden: bei Taktzeit-Änderungen, Produktwechseln, neuen Lieferanten oder saisonalen Schwankungen. Eine regelmäßige Überprüfung stellt sicher, dass Bestände optimal bleiben. Zu hohe Bestände binden Kapital, zu niedrige führen zu Engpässen.
Welche Software unterstützt eKanban in der Produktion?
eKanban-Systeme sind oft in gängige ERP-Systeme integriert oder als eigenständige MES-Lösungen (Manufacturing Execution System) verfügbar. Typische Funktionen: Barcode- oder RFID-Erfassung, automatische Bestellauslösung, Dashboards zur Bestandsüberwachung, Schnittstellen zu Lieferanten. Bei der Auswahl sollten Sie auf Integrationsfähigkeit, Bedienfreundlichkeit und Skalierbarkeit achten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kanban und Scrum?
Kanban arbeitet mit kontinuierlichem Fluss ohne feste Iterationen und kennt keine vorgeschriebenen Rollen. Scrum arbeitet in festen Sprints und definiert klare Rollen wie Scrum Master und Product Owner. In Kanban können Aufgaben jederzeit hinzugefügt werden, in Scrum erst im nächsten Sprint. Kanban wird typischerweise in Produktion und Logistik eingesetzt, Scrum in der Softwareentwicklung.
Wie berechnet man die Anzahl der Kanbans?
In der Praxis wird häufig folgende Formel verwendet: (Verbrauch pro Zeiteinheit × Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand) / Behältermenge. Die Formel sollte unternehmensspezifisch angepasst werden. Beispiel: Bei 50 Teilen pro Stunde Verbrauch, 2 Stunden Wiederbeschaffungszeit, 20 Teilen Sicherheitsbestand und 100 Teilen pro Behälter ergibt sich: (50 × 2 + 20) / 100 = 1,2, aufgerundet 2 Kanbans.
Für welche Teile eignet sich Kanban?
Kanban eignet sich für Teile mit regelmäßigem, stabilem Verbrauch, geringer Variantenvielfalt und kurzen bis mittleren Wiederbeschaffungszeiten. Besonders geeignet sind C-Teile und B-Teile mit standardisierten Behältern. Weniger geeignet sind A-Teile mit hoher Kapitalbindung, Teile mit sporadischem Bedarf oder hoher Variantenvielfalt sowie Einzelfertigungen.
Was ist der Unterschied zwischen Kanban und eKanban?
Klassisches Kanban arbeitet mit physischen Karten oder Behältern als Signal für Nachschub. eKanban ersetzt diese durch elektronische Signale wie Barcode-Scans, RFID-Tags oder Sensoren. eKanban bietet Echtzeit-Transparenz, automatische Bestellauslösung und bessere Auswertbarkeit, erfordert aber höhere Investitionen in IT-Systeme und Schulung.
Kann Kanban mit MRP kombiniert werden?
Ja, Kanban und MRP können parallel eingesetzt werden. Typischerweise werden A-Teile und Teile mit schwankendem Bedarf per MRP geplant, während C-Teile und Teile mit stabilem Verbrauch per Kanban gesteuert werden. Im ERP-System wird für Kanban-Teile die Dispositionsart entsprechend eingestellt, sodass keine automatischen Bestellvorschläge generiert werden.
Quellen
- [1]Was ist Kanban? · Agile Scrum Group · abgerufen 12. Oktober 2026
- [2]So funktionieren Kanban und eKanban · WSW Software · abgerufen 12. Oktober 2026
- [3]Kanban · Lean Service Institute · abgerufen 12. Oktober 2026
- [4]Kanban · Organisationshandbuch · abgerufen 12. Oktober 2026
- [5]Kanban-System · Gabler Wirtschaftslexikon · abgerufen 12. Oktober 2026
Begriffe im Lexikon
KIKI-Redakteurin für Qualitätsmethoden und Lean Production. Erklärt Werkzeuge Schritt für Schritt mit Beispielen aus der Fertigung.
Weiterlesen
Lean Management: Prinzipien, Methoden und Einführung im Mittelstand
Lean Management ist eine Unternehmensphilosophie, die darauf abzielt, alle Prozesse effizient zu gestalten, den Kundennutzen zu maximieren und jede Form von Verschwendung systematisch zu eliminieren. Das Konzept stammt aus dem Toyota-Produktionssystem und lässt sich heute branchenübergreifend in Produktion, Logistik und Verwaltung anwenden. Dieser Artikel zeigt Ihnen konkrete Einführungsschritte, typische Stolpersteine und praxisnahe Methoden für den Mittelstand.
Wertstromanalyse: Schritt für Schritt zum Wertstromdesign
Die Wertstromanalyse visualisiert den gesamten Material- und Informationsfluss vom Lieferanten bis zum Kunden, um Verschwendung aufzudecken und Durchlaufzeiten zu verkürzen. Sie erheben dabei Kennzahlen wie Zykluszeit, Rüstzeit und Verfügbarkeit vor Ort am Gemba und leiten daraus ein konkretes Wertstromdesign mit Maßnahmenplan ab. In dieser Anleitung erfahren Sie, welche Schritte, Symbole und Berechnungen Sie für die praktische Umsetzung benötigen.
Layered Process Audit (LPA): Ablauf, Fragenkatalog & Nutzen
Ein Layered Process Audit (LPA) ist eine hochfrequente Qualitätsmethode, bei der Mitarbeiter mehrerer Hierarchieebenen anhand kurzer Checklisten die Einhaltung standardisierter Prozesse direkt am Arbeitsplatz prüfen. Jede Ebene auditiert denselben Prozess in unterschiedlicher Frequenz – von täglich bis quartalsweise. Ziel ist es, Prozessdrift frühzeitig zu erkennen und Standards zu verankern.


