Zum Inhalt springen
Industriezeitschrift

Fachwissen für Produktion, Technik und Compliance

Gebrauchte Industrieroboter kaufen: Zustand, Garantie & Kosten

Gebrauchte Industrieroboter sind auf Marktplätzen wie Exapro und Maschinensucher ab etwa 5.000 Euro verfügbar, die Preisspanne reicht je nach Hersteller, Modell und Zustand bis über 100.000 Euro. Entscheidend für einen sicheren Kauf sind technische Prüfkriterien wie Betriebsstunden und Verschleiß, rechtliche Absicherung durch Gewährleistung und CE-Dokumentation sowie eine realistische Kalkulation der Folgekosten für Inbetriebnahme, Integration und Schulung.

· 9 Min. Lesezeit
Gebrauchter Industrieroboter in Werkstatt bei technischer Prüfung mit Messwerkzeugen
KI-generiertes Bild
Inhalt
  1. Was sind gebrauchte Industrieroboter und wann lohnt sich der Kauf?
  2. Technische Prüfkriterien: Zustand und Restlebensdauer bewerten
  3. Rechtliche Absicherung: Gewährleistung, CE und Dokumentation
  4. Versteckte Kosten: Inbetriebnahme, Ersatzteile und Schulung
  5. Bezugsquellen: Marktplätze, Händler und Direktkauf im Vergleich
  6. Hersteller und Modelle: Was ist auf dem Gebrauchtmarkt verfügbar?
  7. Checkliste: So kaufen Sie gebrauchte Industrieroboter sicher
  8. Typische Fehler beim Kauf gebrauchter Industrieroboter

Das Wichtigste in Kürze

  • Gebrauchte Industrieroboter ab ca. 5.000 €, Folgekosten aber einplanen
  • Betriebsstunden, Verschleiß, Steuerungsgeneration und Dokumentation vor Kauf prüfen
  • Gewährleistung im B2B oft eingeschränkt, CE-Konformität bleibt Pflicht des Käufers
  • Inbetriebnahme und Integration verursachen erhebliche Zusatzkosten
  • KUKA, ABB und FANUC dominieren Gebrauchtmarkt, Ersatzteilversorgung beachten

Was sind gebrauchte Industrieroboter und wann lohnt sich der Kauf?

Gebrauchte Industrieroboter sind automatisierte Manipulatoren aus Vorbesitz, die nach Betrieb in anderen Unternehmen – oft aus Insolvenzen, Umrüstungen oder Leasingrückläufen – zu reduzierten Preisen weiterverkauft werden. Sie bieten produzierenden Unternehmen die Möglichkeit, Automatisierung mit begrenztem Budget umzusetzen.

Auf Marktplätzen wie Exapro und Maschinensucher finden Sie gebrauchte Industrieroboter in einer breiten Preisspanne. Kleinere Modelle oder ältere Baureihen starten bereits ab etwa 5.000 Euro, während größere oder jüngere Systeme bis über 100.000 Euro kosten können. Der Preis hängt stark von Hersteller, Traglast, Reichweite, Baujahr und Zustand ab.

Ein gebrauchter Roboter lohnt sich vor allem bei Standardanwendungen wie Palettieren, Handling oder Punktschweißen, wenn etablierte Hersteller wie KUKA, ABB oder FANUC gewählt werden und Ersatzteile verfügbar sind. Für kurz- bis mittelfristige Projekte oder den Einstieg in die Automatisierung ist der Gebrauchtkauf wirtschaftlich sinnvoll. Bei Spezialanwendungen oder langfristiger Nutzung über zehn Jahre sollten Sie die Verfügbarkeit von Software-Updates und Ersatzteilen genau prüfen.

Typische Preisklassen auf dem Gebrauchtmarkt

Auf Marktplätzen wie Exapro und Maschinensucher werden gebrauchte Industrieroboter in verschiedenen Preisklassen angeboten:

  • Einstiegsklasse (5.000–15.000 €): Ältere Modelle, kleinere Traglasten bis 10 kg, oft mit auslaufenden Steuerungen
  • Mittelklasse (15.000–40.000 €): Standardmodelle mit 10–50 kg Traglast, gängige Steuerungsgenerationen
  • Oberklasse (40.000–100.000+ €): Große Traglasten über 100 kg, neuere Baujahre, spezialisierte Anwendungen

Die konkreten Preise variieren stark nach Angebot, Nachfrage und Zustand. Prüfen Sie mehrere Angebote und vergleichen Sie die technischen Daten.

Technische Prüfkriterien: Zustand und Restlebensdauer bewerten

Beim Zustand eines gebrauchten Roboters müssen Sie Betriebsstunden, mechanischen Verschleiß, Steuerungsgeneration und Dokumentation prüfen, um die Restlebensdauer realistisch einzuschätzen. Ohne diese Prüfung riskieren Sie teure Reparaturen oder Stillstände kurz nach der Inbetriebnahme.

Betriebsstunden: Ab wann wird es kritisch?

Betriebsstunden und Zyklen sind wichtige Verschleißindikatoren. Die Auslegung variiert nach Hersteller, Baureihe und Einsatzbedingungen erheblich. Als Orientierung: Roboter mit weniger als 30.000 Betriebsstunden gelten in der Regel als wenig gelaufen, zwischen 30.000 und 50.000 Stunden sollten Sie Getriebe und Lager besonders genau prüfen. Über 50.000 Stunden ist mit erhöhtem Wartungsaufwand zu rechnen.

Neben den Betriebsstunden sind die Anzahl der Bewegungszyklen und die Achslast entscheidend. Ein Roboter, der leichte Teile bei geringer Geschwindigkeit bewegt hat, verschleißt langsamer als einer, der dauerhaft an der Traglastgrenze gearbeitet hat. Fordern Sie daher immer die Wartungshistorie an.

Mechanischer Verschleiß zeigt sich an Getrieben, Lagern und Achsen. Prüfen Sie das Achsspiel und die Wiederholgenauigkeit: Weicht der Roboter bei wiederholten Fahrten zur gleichen Position deutlich ab, liegt wahrscheinlich Verschleiß vor. Die zulässigen Toleranzen sind herstellerspezifisch. Lassen Sie im Zweifel eine Vermessung durch den Hersteller-Service oder einen TÜV-Sachverständigen durchführen.

Steuerungsgenerationen: Welche sind noch zukunftssicher?

Die Steuerungsgeneration entscheidet über Updatefähigkeit, Schnittstellen und Ersatzteilversorgung. Prüfen Sie beim Hersteller, welche Steuerungen noch supportet werden. Bei KUKA sind beispielsweise Steuerungen ab KRC4 (ab 2010) in der Regel noch gut unterstützt, während ältere KRC2-Steuerungen auslaufen können. ABB-Roboter mit IRC5-Steuerung (ab 2004) sind weiterhin verbreitet, ältere S4C+-Systeme nur noch eingeschränkt. FANUC-Steuerungen der R-30i-Generation (ab 2008) gelten als langlebig.

Achten Sie auf die Kompatibilität mit aktuellen Bussystemen wie Profinet, EtherCAT oder EtherNet/IP. Ältere Steuerungen unterstützen oft nur proprietäre Schnittstellen, was die Integration in moderne Produktionslinien erschwert. Prüfen Sie auch, ob Software-Updates noch verfügbar sind und ob der Hersteller Sicherheits-Patches bereitstellt.

Checkliste für den Probelauf

Vor dem Kauf sollten Sie einen Probelauf vor Ort oder per Video dokumentieren lassen. Testen Sie alle Achsen über den vollen Verfahrbereich, achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen oder ruckelnde Bewegungen. Lassen Sie den Roboter eine typische Bewegungssequenz mehrfach wiederholen und messen Sie die Positionsgenauigkeit.

Prüfen Sie die Dokumentation: CE-Konformitätserklärung, Betriebsanleitung, Schaltpläne, Wartungshistorie und Software-Backups müssen vollständig vorliegen. Ohne CE-Konformitätserklärung dürfen Sie den Roboter in der EU nicht in Betrieb nehmen. Fehlt die Dokumentation, müssen Sie diese nachträglich beschaffen oder erstellen lassen – ein erheblicher Mehraufwand.

Rechtliche Absicherung: Gewährleistung, CE und Dokumentation

Im B2B-Geschäft gilt die gesetzliche Gewährleistung nach BGB, sie kann aber vertraglich eingeschränkt oder ausgeschlossen werden. Die CE-Konformität bleibt auch bei gebrauchten Maschinen Pflicht und liegt in der Verantwortung des Betreibers nach der Betriebssicherheitsverordnung.

Was gilt bei Gewährleistung im B2B-Geschäft?

Beim Kauf zwischen Unternehmen (B2B) beträgt die gesetzliche Gewährleistungsfrist nach BGB zwei Jahre ab Übergabe. Verkäufer und Käufer können diese Frist jedoch vertraglich verkürzen oder ganz ausschließen. In der Praxis bieten spezialisierte Händler bei überholten Robotern oft 6 bis 12 Monate Garantie, während Privatverkäufer oder Auktionshäuser die Gewährleistung meist vollständig ausschließen.

Im Kaufvertrag sollten Sie Seriennummer, Baujahr, Betriebsstunden, Zustandsbeschreibung und den Umfang der Gewährleistung genau festhalten. Klären Sie, ob Verschleißteile wie Getriebe oder Motoren eingeschlossen sind und wer die Kosten für Diagnose, Ausbau und Transport bei einem Gewährleistungsfall trägt. Lassen Sie sich bei größeren Investitionen von einem Fachanwalt für Maschinenrecht beraten.

CE-Konformität: Wer haftet nach dem Kauf?

Die CE-Kennzeichnung ist auch bei gebrauchten Maschinen Pflicht. Der Käufer wird nach dem Kauf zum Betreiber und ist nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) verpflichtet, die Maschine sicher zu betreiben. Dazu gehört, dass die CE-Konformitätserklärung vorliegt und die Maschine der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG entspricht.

Nach der Integration in Ihre Produktionslinie müssen Sie eine neue Gefährdungsbeurteilung erstellen. Ändern Sie die Maschine oder verbinden Sie sie mit anderen Anlagen, kann eine erneute Konformitätsbewertung erforderlich sein. Im Zweifel ziehen Sie einen TÜV- oder DEKRA-Sachverständigen hinzu, um rechtliche Risiken zu minimieren.

Der Kaufvertrag sollte regeln, dass der Verkäufer die CE-Dokumentation vollständig übergibt. Fehlt sie, haften Sie als Betreiber bei Unfällen. Prüfen Sie auch, ob nachträgliche Umbauten oder Sicherheitseinrichtungen dokumentiert sind.

Versteckte Kosten: Inbetriebnahme, Ersatzteile und Schulung

Zusätzlich zum Kaufpreis entstehen Kosten für Transport, Inbetriebnahme, Integration, Schulung und Ersatzteile. Eine realistische Gesamtkostenrechnung ist entscheidend, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Beispielkalkulation: Gesamtkosten eines gebrauchten Roboters

Die folgende Beispielrechnung zeigt typische Kostenpositionen für einen gebrauchten 6-Achs-Roboter mit 16 kg Traglast. Die konkreten Beträge variieren je nach Anwendung, Standort und Dienstleister:

Kostenposition

Beispielwert

Anteil

Kaufpreis Roboter

18.000 €

56 %

Transport, Kran, Aufstellung

2.500 €

8 %

Inbetriebnahme, Programmierung

6.000 €

19 %

Sicherheitstechnik, Integration

3.000 €

9 %

Schulung Bediener (2 Tage)

1.500 €

5 %

Ersatzteile, Verschleißteile

1.000 €

3 %

Gesamtkosten

32.000 €

100 %

Beispielrechnung ohne Gewähr, Werte können je nach Projekt erheblich abweichen

Transport und Aufstellung hängen von Gewicht, Entfernung und Zugänglichkeit ab. Ein typischer 6-Achs-Roboter wiegt je nach Modell zwischen 200 und 800 kg und benötigt einen Kran oder Stapler. Prüfen Sie, ob ein Betonfundament erforderlich ist oder ob die vorhandene Bodenplatte ausreicht.

Inbetriebnahme und Integration umfassen Programmierung, Anbindung an Steuerungen, Einrichtung von Schnittstellen und Sicherheitstechnik wie Lichtvorhänge oder Schutzzäune. Beauftragen Sie dafür eine Fachfirma oder den Hersteller-Service. Die Kosten variieren je nach Komplexität erheblich.

Ersatzteile: Wann wird es teuer oder unmöglich?

Die Ersatzteilverfügbarkeit ist ein kritischer Faktor. Bei aktuellen Baureihen von KUKA, ABB oder FANUC sind Standardteile wie Motoren, Getriebe oder Steuerungsbaugruppen in der Regel noch Jahre nach Produktionsende verfügbar. Bei älteren oder exotischen Modellen kann die Beschaffung schwierig und teuer werden.

Prüfen Sie vor dem Kauf, ob der Hersteller noch Support bietet oder ob Drittanbieter Ersatzteile liefern. Für ausgelaufene Steuerungen gibt es oft Refurbishment-Anbieter, die gebrauchte Baugruppen überholen. Kalkulieren Sie für Verschleißteile wie Getriebe oder Kabel entsprechende Budgets ein.

Schulung der Bediener und Instandhalter ist oft unterschätzt. Ohne geschultes Personal steht der Roboter bei Störungen still. Hersteller und Schulungsanbieter bieten Kurse an, deren Kosten je nach Umfang und Anbieter variieren. Planen Sie mindestens zwei Tage Grundlagenschulung für Bediener und drei bis fünf Tage für Instandhalter ein.

Wartungsverträge sind bei gebrauchten Robotern optional. Sie sichern schnelle Reaktionszeiten und Ersatzteilverfügbarkeit, verursachen aber laufende Kosten. Für kritische Anwendungen oder bei geringer eigener Instandhaltungskapazität sind sie sinnvoll.

Bezugsquellen: Marktplätze, Händler und Direktkauf im Vergleich

Gebrauchte Industrieroboter können Sie über Online-Marktplätze, spezialisierte Händler, Gebrauchtroboter-Börsen oder direkt aus Insolvenzen kaufen – jede Quelle hat Vor- und Nachteile bei Preis, Qualität und Absicherung.

Vergleich Bezugsquellen

Quelle

Garantie/Gewährleistung

Dokumentation

Preisniveau

Risiko

Online-Marktplätze (Maschinensucher, Exapro)

Meist ausgeschlossen oder 3–6 Monate

Oft unvollständig

Niedrig bis mittel

Mittel bis hoch

Spezialisierte Händler mit Überholung

6–12 Monate Garantie

Vollständig, teils neu erstellt

Mittel bis hoch

Niedrig

Gebrauchtroboter-Börsen, Foren (Roboterforum)

Privatverkauf, meist ausgeschlossen

Variiert stark

Niedrig

Hoch

Direktkauf aus Insolvenzen, Auktionen

Keine

Oft fehlend

Sehr niedrig

Sehr hoch

Quelle: eigene Auswertung Marktplätze und Händler (Oktober 2026)

Online-Marktplätze wie Maschinensucher oder Exapro bieten eine große Auswahl und Preistransparenz. Die Qualität variiert jedoch stark, und oft fehlt die vollständige Dokumentation. Prüfen Sie den Verkäufer, fordern Sie Fotos und Videos an und vereinbaren Sie eine Besichtigung vor Ort.

Spezialisierte Händler überholen Roboter, ersetzen Verschleißteile und liefern vollständige Dokumentation inklusive CE-Konformitätserklärung. Der Preis liegt über dem freien Markt, dafür erhalten Sie Garantie und technischen Support. Beispiele für solche Händler finden Sie auf Plattformen wie Maschinensucher oder in Fachforen.

Gebrauchtroboter-Börsen und Foren wie das Roboterforum ermöglichen den direkten Kontakt zwischen Käufern und Verkäufern. Die Preise sind oft günstig, aber es handelt sich meist um Privatverkäufe ohne Gewährleistung. Diese Quelle eignet sich für erfahrene Käufer mit eigener Prüfkompetenz.

Direktkauf aus Insolvenzen oder Betriebsauflösungen über Auktionshäuser bietet die niedrigsten Preise, aber auch das höchste Risiko. Dokumentation fehlt oft, und eine Besichtigung ist meist nur eingeschränkt möglich. Kalkulieren Sie Aufwand für Nachbeschaffung von Unterlagen und eventuelle Reparaturen ein.

Hersteller und Modelle: Was ist auf dem Gebrauchtmarkt verfügbar?

Auf dem Gebrauchtmarkt dominieren KUKA, ABB und FANUC mit breiter Modellpalette und in der Regel guter Ersatzteilversorgung. Universal Robots (Cobots) und Yaskawa Motoman sind seltener verfügbar.

KUKA-Roboter der KR-Serie sind in Deutschland weit verbreitet und auf allen Marktplätzen gut verfügbar. Modelle wie KR 6, KR 16 oder KR 60 eignen sich für Handling, Montage und Punktschweißen. Achten Sie auf die Steuerungsgeneration: Neuere Steuerungen sind länger supportet. Die Ersatzteilversorgung ist in der Regel gut, auch für ältere Modelle.

ABB-Roboter der IRB-Serie sind robust und häufig in der Montage, beim Palettieren und Fräsen im Einsatz. Die IRB 1200, IRB 2600 und IRB 4600 sind auf dem Gebrauchtmarkt gut verfügbar. ABB bietet auch für ältere Modelle oft Refurbishment-Programme an.

FANUC-Roboter gelten als besonders zuverlässig und langlebig. Die M-Serie (z. B. M-10iA, M-20iA) und die R-Serie (z. B. R-2000iC) sind auf dem Gebrauchtmarkt vertreten. Die Steuerung ist teils proprietär, was die Integration in offene Systeme erschweren kann.

Universal Robots (UR3, UR5, UR10) sind als Cobots gefragt, der Gebrauchtmarkt ist aber noch klein. Die Roboter sind einfach zu programmieren und eignen sich für kollaborative Anwendungen. Achten Sie auf die Software-Version und prüfen Sie, ob Updates verfügbar sind.

Yaskawa Motoman bietet solide Technik, ist in Europa aber weniger verbreitet als KUKA oder ABB. Modelle der GP-Serie (z. B. GP7, GP25) sind gelegentlich verfügbar. Die Ersatzteilversorgung kann schwieriger sein als bei den Marktführern.

Checkliste: So kaufen Sie gebrauchte Industrieroboter sicher

Mit dieser Checkliste sichern Sie sich beim Kauf gebrauchter Industrieroboter technisch, rechtlich und wirtschaftlich ab.

Vor dem Kauf

  1. Anforderungen klären: Traglast, Reichweite, Taktzeit, Anwendung (Schweißen, Handling, Palettieren)
  2. Budget festlegen: Kaufpreis plus Puffer für Inbetriebnahme, Integration, Schulung
  3. Hersteller und Modell recherchieren: Ersatzteilverfügbarkeit, Steuerungsgeneration, Support
  4. Bezugsquelle wählen: Marktplatz, Händler oder Direktkauf – Risiko und Absicherung abwägen
  5. Angebote vergleichen: Mindestens drei Angebote einholen, Zustand und Dokumentation prüfen

Bei der Besichtigung

  1. Betriebsstunden und Zyklen abfragen: Niedrige Laufzeiten bevorzugen, Wartungshistorie prüfen
  2. Mechanischen Verschleiß prüfen: Achsspiel, Wiederholgenauigkeit, Geräusche, Vibrationen
  3. Steuerung testen: Alle Achsen verfahren, Bewegungssequenz wiederholen, Fehlerspeicher auslesen
  4. Dokumentation prüfen: CE-Konformitätserklärung, Betriebsanleitung, Schaltpläne, Wartungshistorie
  5. Probelauf dokumentieren: Video oder Protokoll, Positionsgenauigkeit messen lassen

Vertragsabschluss

  1. Seriennummer und Zustand im Vertrag festhalten: Betriebsstunden, bekannte Mängel, Lieferumfang
  2. Gewährleistung regeln: Dauer, Umfang, Ausschlüsse, Kosten bei Gewährleistungsfall
  3. Lieferung und Übergabe: Transport, Aufstellung, Übergabeprotokoll, Zahlungsbedingungen
  4. Rückgaberecht vereinbaren: Falls möglich, Testphase oder Geld-zurück-Garantie

Nach dem Kauf

  1. Gefährdungsbeurteilung erstellen: Nach Betriebssicherheitsverordnung, vor Inbetriebnahme
  2. Inbetriebnahme durch Fachfirma: Programmierung, Integration, Sicherheitstechnik, Abnahme
  3. Mitarbeiter schulen: Bediener und Instandhalter, Grundlagenschulung einplanen
  4. Wartungsplan aufstellen: Intervalle, Verschleißteile, Ersatzteilverfügbarkeit sicherstellen

Typische Fehler beim Kauf gebrauchter Industrieroboter

Viele Käufer unterschätzen die Folgekosten und überschätzen die Restlebensdauer. Ohne vollständige Dokumentation riskieren Sie rechtliche Probleme und können den Roboter nicht in Betrieb nehmen. Prüfen Sie die Steuerungsgeneration: Eine veraltete Steuerung ohne Update-Möglichkeit wird zur Kostenfalle.

Ein weiterer Fehler ist der Verzicht auf einen Probelauf. Lassen Sie sich nicht auf einen Kauf "wie besehen" ein, ohne den Roboter vorher in Betrieb gesehen zu haben. Mechanischer Verschleiß ist von außen oft nicht erkennbar.

Unterschätzen Sie nicht den Aufwand für Integration und Programmierung. Ein gebrauchter Roboter ist kein Plug-and-Play-Gerät. Planen Sie Zeit und Budget für Inbetriebnahme, Schulung und Optimierung ein.

Verzichten Sie nicht auf rechtliche Absicherung. Ein Kaufvertrag ohne klare Regelung zu Gewährleistung, Zustand und Dokumentation führt bei Problemen zu Streitigkeiten. Lassen Sie sich bei größeren Investitionen von einem Fachanwalt beraten.

Häufige Fragen

Was kosten gebrauchte Industrieroboter?

Gebrauchte Industrieroboter sind auf Marktplätzen wie Exapro und Maschinensucher ab etwa 5.000 Euro verfügbar. Die Preisspanne reicht je nach Hersteller, Modell, Traglast, Baujahr und Zustand bis über 100.000 Euro. Kleinere oder ältere Modelle sind günstiger, größere Systeme mit hoher Traglast teurer.

Worauf muss ich beim Zustand eines gebrauchten Roboters achten?

Prüfen Sie Betriebsstunden (niedrige Laufzeiten bevorzugen), mechanischen Verschleiß an Getrieben und Lagern, die Wiederholgenauigkeit und die Steuerungsgeneration. Fordern Sie die Wartungshistorie an und lassen Sie einen Probelauf durchführen. Vollständige Dokumentation mit CE-Konformitätserklärung ist Pflicht.

Welche Garantie gibt es beim Kauf gebrauchter Industrieroboter?

Im B2B-Geschäft gilt die gesetzliche Gewährleistung nach BGB, sie kann aber vertraglich eingeschränkt oder ausgeschlossen werden. Spezialisierte Händler bieten bei überholten Robotern oft 6 bis 12 Monate Garantie. Bei Privatverkäufen oder Auktionen ist die Gewährleistung meist vollständig ausgeschlossen.

Welche versteckten Kosten entstehen bei gebrauchten Robotern?

Zusätzlich zum Kaufpreis entstehen Kosten für Transport, Inbetriebnahme, Integration, Schulung und Ersatzteile. Planen Sie entsprechende Budgets für diese Positionen ein. Eine neue Gefährdungsbeurteilung ist nach Betriebssicherheitsverordnung Pflicht.

Wo kann ich gebrauchte Industrieroboter seriös kaufen?

Seriöse Bezugsquellen sind Online-Marktplätze wie Maschinensucher und Exapro, spezialisierte Händler mit Überholung und Garantie, die Gebrauchtroboter-Börse im Roboterforum sowie Direktkäufe aus Insolvenzen über Auktionshäuser. Händler bieten mehr Sicherheit durch Garantie und Dokumentation, Marktplätze und Auktionen niedrigere Preise bei höherem Risiko.

Muss ein gebrauchter Roboter eine CE-Kennzeichnung haben?

Ja, auch gebrauchte Maschinen müssen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG entsprechen und eine CE-Konformitätserklärung haben. Nach dem Kauf sind Sie als Betreiber nach Betriebssicherheitsverordnung verpflichtet, die Maschine sicher zu betreiben und nach Integration eine neue Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Ohne CE-Dokumentation dürfen Sie den Roboter nicht in Betrieb nehmen.

Quellen

  1. [1]Gebrauchte Roboter zu verkaufen · Exapro · abgerufen 19. Oktober 2026
  2. [2]Roboterarm gebraucht kaufen · Maschinensucher · abgerufen 19. Oktober 2026
  3. [3]Gebraucht Roboter Börse · Roboterforum.de · abgerufen 19. Oktober 2026
  4. [4]Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) · Bundesministerium der Justiz · abgerufen 19. Oktober 2026

Begriffe im Lexikon

KI-generiertes Porträt der KI-Redaktionsfigur Mara SeidelKI
Mara SeidelKI-Redakteur:in

KI-Redakteurin Digitalisierung

KI-Redakteurin für Digitalisierung und Automatisierung. Prüft Technologieversprechen auf Nutzen, Aufwand und Voraussetzungen im Mittelstand.

Weiterlesen

Digitalisierung

Industrieroboter: Bauarten, Einsatz und Wirtschaftlichkeit

Industrieroboter sind programmierbare Bewegungsautomaten mit mehreren Achsen, die autonom Werkstücke handhaben, montieren oder bearbeiten. Die wichtigsten Bauarten sind Knickarmroboter, SCARA-Roboter, Deltaroboter und Palettierer – jede mit spezifischen Stärken für unterschiedliche Fertigungsaufgaben. Die Wirtschaftlichkeit hängt von Anschaffungskosten, Inbetriebnahmezeit und Einsatzszenario ab.

Mara SeidelKI07. Oktober 2026· 6 Min.
Betrieb

Instandhaltung: Strategien, Kennzahlen und Organisation

Instandhaltung umfasst nach DIN 31051 alle Maßnahmen zur Bewahrung und Wiederherstellung des Sollzustands technischer Anlagen – von Wartung über Inspektion bis Instandsetzung. Die Wahl der richtigen Strategie (reaktiv, präventiv, zustandsbasiert oder prädiktiv) hängt von Anlagenkritikalität und Ausfallkosten ab. Kennzahlen wie OEE, MTBF und MTTR steuern die Effizienz und zeigen Optimierungspotenziale.

Sophie KramerKI06. Oktober 2026· 11 Min.
Betrieb

Wartungsplan erstellen: Aufbau, Pflichten und Vorlagen

Ein Wartungsplan legt fest, wann, wie und von wem Maschinen und Anlagen gewartet werden. Er ist nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) für überwachungsbedürftige Anlagen und bei Herstellervorgaben verpflichtend. Der Plan umfasst Anlagenverzeichnis, Intervalle, Tätigkeiten, Zuständigkeiten und Dokumentation.

Sophie KramerKI14. Oktober 2026· 11 Min.