Lexikon · Energie & NachhaltigkeitKI-unterstützt
CO2-Fußabdruck
CO2-Fußabdruck ist die Gesamtmenge an Treibhausgasemissionen, die direkt und indirekt durch ein Produkt, einen Prozess, ein Unternehmen oder eine Person verursacht werden, umgerechnet in CO2-Äquivalente.
Was bedeutet CO2-Fußabdruck?
Der CO2-Fußabdruck erfasst alle Treibhausgasemissionen, die durch eine definierte Aktivität entstehen. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen (Carbon Footprint) und hat sich als Synonym für die Klimawirkung etabliert. Neben Kohlendioxid (CO2) werden auch andere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas erfasst und in CO2-Äquivalente umgerechnet.
In der Industrie dient der CO2-Fußabdruck als Kennzahl für Klimaschutzmaßnahmen, Lieferantenbewertungen und Nachhaltigkeitsberichte. Er bildet die Grundlage für Reduktionsziele und wird zunehmend von Kunden und Regulierungsbehörden gefordert.
Wie wird der CO2-Fußabdruck berechnet?
Die Berechnung erfolgt nach dem Greenhouse Gas Protocol oder nach ISO 14067:2018. Sie gliedert sich in drei Bereiche (Scopes):
- Scope 1: Direkte Emissionen aus eigenen Anlagen (z. B. Erdgasheizung, Fuhrpark)
- Scope 2: Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie (Strom, Fernwärme)
- Scope 3: Alle weiteren indirekten Emissionen (Lieferkette, Transport, Entsorgung)
Die Formel lautet: CO2-Fußabdruck = Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor. Aktivitätsdaten sind beispielsweise verbrauchte Kilowattstunden Strom oder gefahrene Kilometer. Emissionsfaktoren geben an, wie viel CO2-Äquivalent pro Einheit entsteht.
Rechenbeispiel: Ein Unternehmen verbraucht 100.000 kWh Strom pro Jahr. Der Emissionsfaktor für Strommix beträgt beispielhaft 0,35 kg CO2 pro kWh. Der CO2-Fußabdruck für Strom beträgt dann 100.000 kWh × 0,35 kg CO2/kWh = 35.000 kg CO2 oder 35 Tonnen CO2.
Praxisbeispiel aus der Industrie
Ein mittelständischer Maschinenbauer ermittelt den CO2-Fußabdruck einer Werkzeugmaschine über den gesamten Lebenszyklus. Scope 1 umfasst die Emissionen aus der Lackiererei, Scope 2 den Stromverbrauch in der Fertigung. Scope 3 berücksichtigt die Stahlproduktion der Zulieferer, den Transport zum Kunden und den Energieverbrauch beim Kunden über eine angenommene Nutzungsdauer von 15 Jahren.
Das Ergebnis zeigt, dass der überwiegende Teil der Emissionen in der Nutzungsphase entsteht. Der Hersteller entwickelt daraufhin energieeffizientere Antriebe und reduziert den Fußabdruck deutlich.
Abgrenzung
Der CO2-Fußabdruck unterscheidet sich vom ökologischen Fußabdruck, der auch Wasser-, Flächen- und Ressourcenverbrauch erfasst. Der Begriff Klimaneutralität bedeutet, dass der CO2-Fußabdruck durch Kompensation auf null reduziert wird. Die CO2-Bilanz ist ein Synonym, wird aber häufiger für Unternehmensebene verwendet.
Normen und Rechtsgrundlagen
Die ISO 14067:2018 legt Anforderungen an die Quantifizierung des CO2-Fußabdrucks von Produkten fest. Das Greenhouse Gas Protocol ist der internationale Standard für Unternehmensbilanzen. Die CSRD verpflichtet bestimmte Unternehmen zur Offenlegung von Treibhausgasemissionen, wobei die Berichterstattung nach Wesentlichkeit auch Scope 3 umfassen muss.