Lexikon · Instandhaltung & IntralogistikKI-unterstützt
Kommissionierung
Kommissionierung ist das Zusammenstellen von Artikeln aus einem Gesamtsortiment nach Kundenaufträgen. Sie umfasst das Entnehmen, Bereitstellen und Verpacken der benötigten Mengen für Versand oder Produktion.
Was bedeutet Kommissionierung?
Kommissionierung bezeichnet den Prozess, bei dem Artikel aus einem Lager nach Auftragsvorgaben entnommen und zusammengestellt werden. Der Begriff leitet sich vom französischen "commission" (Auftrag) ab. Sie ist ein zentraler Teilprozess der Intralogistik und beeinflusst direkt Lieferzeit, Fehlerquote und Lagerkosten.
Die Kommissionierung erfolgt nach dem Prinzip "Ware zum Mann" oder "Mann zur Ware". Bei "Ware zum Mann" transportieren automatische Systeme die Artikel zum Kommissionierer. Bei "Mann zur Ware" bewegt sich der Mitarbeiter durch das Lager und entnimmt die Positionen.
Wie funktioniert Kommissionierung?
Der Kommissionierprozess gliedert sich in fünf Schritte: Auftragsannahme, Wegplanung, Entnahme, Abgabe und Quittierung. Die Auftragsannahme erfolgt über das Lagerverwaltungssystem. Die Wegplanung optimiert die Route durch das Lager. Bei der Entnahme entnimmt der Kommissionierer die Artikel in der vorgegebenen Menge. Die Abgabe erfolgt an Sammelbehälter oder direkt zur Verpackung. Die Quittierung bestätigt den Vorgang im System.
Die Kommissionierleistung wird in Positionen pro Stunde gemessen. Sie hängt ab von Weglänge, Greifzeit, Artikelgröße und Systemunterstützung. Typische Kennzahlen sind Positionen pro Stunde, Durchlaufzeit, Fehlerquote und Kommissionierkosten pro Position.
Moderne Systeme nutzen Pick-by-Voice, Pick-by-Light oder Pick-by-Vision. Diese Technologien reduzieren Fehler und beschleunigen den Prozess. Automatische Systeme wie AGV oder Shuttle-Lager übernehmen Transportaufgaben.
Praxisbeispiel aus der Industrie
Typisches Beispiel: Ein Ersatzteilhändler für Industriekomponenten kommissioniert täglich 800 Auftragspositionen. Die Artikel liegen in einem Fachbodenregal auf 1.200 Quadratmetern. Mit papierbasierter Kommissionierung erreichten Mitarbeiter 60 Positionen pro Stunde bei 2,5 Prozent Fehlerquote.
Nach Einführung eines Pick-by-Light-Systems stieg die Leistung auf 95 Positionen pro Stunde. Die Fehlerquote sank auf 0,3 Prozent. Die Wegezeit reduzierte sich durch optimierte Lagerplatzvergabe um 20 Prozent. Die Investition amortisierte sich nach 18 Monaten durch geringere Personalkosten und weniger Retouren.
Abgrenzung
Kommissionierung unterscheidet sich von der reinen Lagerhaltung durch den aktiven Zusammenstellungsprozess. Während die Lagerhaltung Artikel bevorratet, stellt die Kommissionierung auftragsbezogen zusammen.
Picking bezeichnet den Entnahmevorgang innerhalb der Kommissionierung. Konfektionierung umfasst zusätzlich Verpackung und Versandvorbereitung. Sequenzierung ordnet Teile in produktionssynchroner Reihenfolge an.
Normen und Rechtsgrundlagen
Die VDI-Richtlinienreihe 3590 beschreibt Kommissioniersysteme und deren Leistungsberechnung. Sie definiert Begriffe, Systemarten und Planungsgrundlagen für die Praxis.
Bei automatisierten Kommissioniersystemen gilt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, die ab Januar 2027 durch die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 abgelöst wird. Sie regelt Sicherheitsanforderungen für fahrerlose Transportsysteme und automatische Lager. Arbeitgeber müssen Gefährdungsbeurteilungen nach Arbeitsschutzgesetz durchführen.
Verwandte Begriffe