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Industriezeitschrift

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Lexikon · Instandhaltung & IntralogistikKI-unterstützt

Lagerkennzahlen

Lagerkennzahlen sind quantitative Messgrößen zur Bewertung von Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Leistung eines Lagers. Sie ermöglichen die Steuerung von Beständen, Flächen und Prozessen in der Intralogistik.

Was bedeutet Lagerkennzahlen?

Lagerkennzahlen sind messbare Größen, die die Leistung und Wirtschaftlichkeit von Lagerprozessen abbilden. Sie dienen Fach- und Führungskräften als Steuerungsinstrument für Bestände, Flächen, Kosten und Durchlaufzeiten. Typische Kennzahlen umfassen Umschlagshäufigkeit, Lagerreichweite, Flächennutzungsgrad und Kommissionierleistung. Die systematische Erfassung erfolgt meist über ERP- oder Warehouse-Management-Systeme.

Wie werden Lagerkennzahlen berechnet?

Die wichtigsten Lagerkennzahlen und ihre Berechnung:

Lagerumschlagshäufigkeit: Jahresverbrauch geteilt durch durchschnittlichen Lagerbestand. Beispiel: 120.000 Stück Jahresverbrauch bei 10.000 Stück durchschnittlichem Bestand ergeben eine Umschlagshäufigkeit von 12 pro Jahr.

Durchschnittliche Lagerdauer: 365 Tage geteilt durch Lagerumschlagshäufigkeit. Bei Umschlagshäufigkeit 12 ergibt sich eine Lagerdauer von rund 30 Tagen.

Lagerreichweite: Aktueller Lagerbestand geteilt durch durchschnittlichen Tagesverbrauch. Bei 5.000 Stück Bestand und 200 Stück Tagesverbrauch beträgt die Reichweite 25 Tage.

Flächennutzungsgrad: Belegte Lagerfläche geteilt durch verfügbare Lagerfläche, multipliziert mit 100. Ein Wert von 85 Prozent gilt in der Praxis oft als wirtschaftlich optimal.

Praxisbeispiel aus der Industrie

Ein Automobilzulieferer analysiert seine C-Teile-Lagerung. Die Umschlagshäufigkeit liegt bei 4, die Lagerdauer bei 91 Tagen. Der Flächennutzungsgrad beträgt 62 Prozent. Durch Einführung eines Kanban-Systems und Reduzierung der Bestellmengen steigt die Umschlagshäufigkeit auf 8. Die Lagerdauer sinkt auf 46 Tage, der Flächennutzungsgrad steigt auf 78 Prozent. Die freigewordene Fläche nutzt das Unternehmen für Fertigwarenbestände.

Abgrenzung

Lagerkennzahlen unterscheiden sich von Produktionskennzahlen wie OEE oder MTBF. Sie fokussieren auf Bestände und Lagerprozesse, nicht auf Maschinenverfügbarkeit. Die ABC-Analyse ist keine Kennzahl, sondern eine Methode zur Klassifizierung von Artikeln. Kommissionierleistung ist eine spezifische Lagerkennzahl, die Picks pro Stunde misst. Zykluszeit bezieht sich auf Produktionsprozesse, nicht auf Lagervorgänge.

Normen und Rechtsgrundlagen

Für Lagerkennzahlen existieren keine verbindlichen Normen. Die VDI-Richtlinie 3590 beschreibt Kommissioniersysteme und enthält Leistungskennzahlen. Branchenverbände wie der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik definieren Berechnungsmethoden als Empfehlungen. Die Wahl und Definition der Kennzahlen liegt im Ermessen des Unternehmens.